Im Leben geht es absolut nicht darum, jede Menge Sachen anzuhäufen. Es geht darum, herauszufinden, was man hat, doch das erfährt man nur, indem man es weggibt. Es geht darum, herauszufinden, dass man nicht derjenige ist, für den man sich hält. Es geht darum, Lügen aufzudecken und die Wahrheit zu entdecken. Und die Wahrheit ist, dass wir alle - und damit meine ich wirklich jeden Einzelnen von uns - viel schöner und wunderbarer sind, als wir es uns jemals vorstellen können.

Doch das ist uns aus vielen, vielen Gründen nicht bewusst, und solange wir dem großen Amerikanischen Traum nachhängen, werden wir auch niemals in der Lage sein, das zu erkennen. Dieser Traum wird uns jede Form von Ethik und jede moralische Integrität, die wir haben könnten, zerstören. Alle Werte werden dadurch vernichtet werden. Dieser Traum ist eine Lüge, und er wird uns umbringen. Deswegen träume ich vom Ende des American dream.

So einen Traum zu haben ist im heutigen Amerika riskant, aber es ist sowieso immer riskant, nicht in der Masse mitzulaufen. Und was soll man auch tun - lügen? Einerseits befürchte ich natürlich, eines Tages dafür von jemandem zermalmt zu werden, andererseits frage ich mich auch, ob mich überhaupt noch irgendjemand ernst nimmt.

Das Problem bin jedoch nicht ich. Das Problem ist ein ganz anderes: Politiker verwandeln sich gern in Krieger. Und wer es nach dem 11. September noch wagt, nicht mit dem Präsidenten einer Meinung zu sein, gerät schnell in den Verdacht, die Terroristen zu unterstützen. Das Volk will nun natürlich wissen, wieso die Geheimdienste nicht die blasseste Ahnung hatten, obwohl ihnen ja die Informationen vorlagen - doch was macht der Präsident? Er sagt: »Wir müssen jetzt zusammenhalten! Wir befinden uns im Krieg!« Bush ist ein gefährlicher Mann. Für den Planeten und alles, was auf ihm lebt. Wahrscheinlich sogar auch für alles, was nicht lebt. Was mich dabei besonders aufregt, ist die Sprache, die Bush verwendet: »Die Guten, die Bösen« - das klingt nach Comic.

Wahrscheinlich hält er sich für einen Prediger. Er schickt uns direkt ins 19. Jahrhundert zurück und sagt der Welt: Aus dem Weg! Mit welcher Begründung hat er denn das Kyoto-Protokoll nicht unterschrieben? Es könnte schlecht für die amerikanische Wirtschaft sein. Gut, vielleicht ist das, was jetzt dabei herauskam, zwar schlecht für die Erde, aber wenn es gut für die amerikanische Wirtschaft ist - unglaublich, diese Gier. Das ist das schreckliche Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen.

Dass Politiker den Krieg so lieben, liegt daran, dass es sehr einfach ist, Menschen im Hass zu vereinen. Schließlich verspürt jeder eine gewisse Unzufriedenheit, und dann heißt es: Die da drüben sind schuld! So wird das gemacht. Was mich daran wirklich ärgert, ist die tragische Ironie des Ganzen: Wenn jetzt jemand als entschlossenes Individuum in diesem Land aufstünde, das ja als die Heimat des entschlossenen Individualismus gilt, und sich dagegen wehrte, würde er wahrscheinlich umgebracht werden, wie Martin Luther King. So ergeht es den Individualisten. Aber die Sache ist die: Ich bin ein New Yorker, und ich kann einfach meinen Mund nicht halten. Und daher werde ich einfach weiter von meinem Traum reden. Trotz allem möchte ich zu keiner anderen Zeit gelebt haben wollen. Ich habe die aufregendste Zeit in der Geschichte der Menschheit miterlebt, die große Depression, den Zweiten Weltkrieg, alles, was danach kam. Gleichzeitig die faszinierenden Veränderungen: Als ich ein Kind war, gab es noch Pferdefuhrwerke, und jetzt fliegen wir im Weltraum herum. All dies erlebt zu haben, bedauere ich nicht - ich bedauere nur, dass ich nichts mit meinem Leben angefangen habe.

Dabei wusste ich immer, dass ich irgendetwas mit meinem Leben würde anstellen müssen. Schließlich ist das Leben ein Geschenk, für das man sich auf irgendeine Weise bedanken muss. So wurde ich eben Schriftsteller, etwas anderes ist mir nicht eingefallen. Obwohl ich eigentlich gern Komponist oder Bildhauer geworden wäre. Doch für Ersteres hätte ich wohl länger zur Schule gehen müssen, und zu Letzterem fehlte mir das Talent. Als ich nach meiner Zeit bei der Handelsmarine dann von Invalidenrente lebte, kaufte ich mir eine alte Schreibmaschine, setzte mich einfach hin und schrieb. So ging das los. Damals war einiges anders: Es wurden beispielsweise noch echte Bücher herausgebracht. Und die Leute haben echte Bücher gekauft.