Nein, Premierminister wolle er wirklich nicht werden, hatte Jean-Pierre Raffarin noch im Mai öffentlich gesagt. Das sei ein Job für Leute mit Feuerwehrmentalität, die gern einen Brand nach dem andern löschen. Er sei ein Mensch von bäuerischer Natur, der sein Feld lieber in Ruhe bestellt. Das Schicksal hat es nach der Wiederwahl von Jacques Chirac zum französischen Staatspräsidenten anders gefügt. Raffarin wurde zum Premierminister ernannt.

Und nach dem ersten Wahlgang zur Nationalversammlung sieht es ganz so aus, als würde Raffarin bleiben.

Denn die Franzosen haben nach zwei extravaganten Abstimmungen bei der Präsidentschaftswahl diesmal klar und vernünftig entschieden: Jacques Chirac bekommt für die nächsten fünf Jahre eine komfortable parlamentarische Mehrheit und eine ausreichend starke Opposition. Die Wähler haben die linken Splitterparteien zugunsten der Sozialisten davongefegt. Beim zweiten Wahlgang am kommenden Sonntag wird die Sitzverteilung nur noch justiert, mehr nicht.

Innenpolitisch kehrt damit allerdings noch keine Ruhe in Frankreich ein. Zu groß waren die Schockwellen der vergangenen Wochen, die beide Lager noch verarbeiten müssen. Die bürgerliche Rechte hat zwar unter dem Eindruck der drohenden Katastrophe erstmals zu einer fast geschlossenen Formation zusammengefunden. Eine Partei mit einem einheitlichen Programm ist die Union pour la Majorité Présidentielle noch nicht.

Links- und Rechtsextremisten gehen geschwächt aus dieser Wahl hervor - kein Grund zur Trauer. Aber auch keine Entwarnung. Denn ihre Wähler sind noch da und deren Ängste. Auch auf sie muss die neue Regierung jetzt eingehen, wenn sie die versprochenen Reformen anpackt. Dafür braucht der Premierminister Geld, das in der Staatskasse nicht vorhanden ist. Jean-Pierre Raffarin wird bald beweisen müssen, dass er nicht nur bodenständig ist, sondern auch das Talent zu einem guten Feuerwehrmann hat.