Die Idee ist prima: Kinder an staatlichen Schulen schneiden in Tests deutlich schlechter ab als die an den Privatschulen, Tausende Lehrer haben das System in den vergangenen Jahren frustriert verlassen (ein Viertel von ihnen ging gleich im ersten oder zweiten Dienstjahr), und in Meinungsumfragen halten New Yorker die maroden Schulen für das Problem Nummer eins. New York hat es besonders schwer, weil es kaum sonst wo in den USA so viele Kinder von Einwanderern gibt, die nicht mal richtig Englisch sprechen.

Aber für Bloomberg ist das Problem, dass ein Bürgermeister in New York gar nicht viel in der Schulpolitik zu sagen hat. Zuständig ist - wie bei vielen kniffligen Problemen in der Stadt New York - ein kompliziertes Netz aus städtischen Ämtern, Senatoren des Bundesstaates, Zweckverbänden und sogar dem Justizministerium. Das Budget für öffentliche Bildung ist äußerst mager, zumal New York nach den Anschlägen vom 11. September rabiat sparen muss. Zwei Drittel des Schulbudgets sind sowieso durch Vertragspflichten, Gerichtsentscheidungen und Tarifverträge festgelegt, und die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes machen Schulleitern und -verwaltern das Leben schwer: Einen Lehrer darf man zum Beispiel nur dann für Sonderaufgaben abstellen - zum Beispiel, um Schüler bei der Wahl eines College zu beraten - wenn 75 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder zustimmen. Ein bürokratischer Albtraum.

Michael Bloomberg erscheint da auf den ersten Blick nicht als der geborene Problemlöser: Der autokratische Business Man befindet sich in Sachen Politik selber noch auf einer äußerst steilen Lernkurve. Doch inzwischen hat er auf seine stille Art schon mehr erreicht als seine Vorgänger zusammen. Wo Rudi Giuliani noch mit der Faust auf den Tisch hieb und brüllte, "das ganze System sollte in die Luft geblasen werden", hat Bloomberg sich hinter den Kulissen mit Gewerkschaften und Politikern im Senat geeinigt: Künftig wird Bloomberg direkter die Schulen kontrollieren und das so genannte "Board of Education" besetzen, die Verwaltungschefs der Stadtteile bleiben außen vor, und die Rolle der Parteien und der staatlichen Senatoren wird deutlich reduziert. Ein paar besonders hinderliche bürokratische Regeln sind auch gelockert worden (zum Beispiel die Auflage, dass Lehrer keine Aufsicht in den Gängen der Schule führen dürfen). "Bürgermeister reißt die Kontrolle des Schulsystems an sich", titelte die New York Times auf Seite eins. "Es ist nicht garantiert, dass die Schulen jetzt besser werden", erklärte Bloomberg hastig. "Es heißt, dass der Bürgermeister jetzt eine Chance hat, etwas zu verändern".

Da hat er recht - zumal der Pragmatiker Bloomberg bisher noch nicht mal erklärt hat, welche bildungspolitischen Visionen er eigentlich hat. Aber der gewiefte Geschäftsmann hat begriffen, dass die Sache selbst in diesen knappen Zeiten Geld kostet. Gerade erst hat er sich mit der Gewerkschaft geeinigt, die Lehrergehälter spürbar zu erhöhen - um 16 bis 22 Prozent. Damit hat er nebenbei die Lehrergewerkschaft gnädig gestimmt, die im übrigen des Kampfes müde wird. Über nötige Reformen wird schließlich schon seit Jahrzehnten debattiert, und die "größten Bremser, die Gewerkschaften" (Giuliani) wollen mal jemand anders den Schwarzen Peter zuschieben.

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