M E D I E N S P E Z I A L Grüne Zwei
Axel Hefter, Chefdesigner beim ZDF, über das Erscheinungsbild der Fernsehsender
DIE ZEIT: Als Chef-Designer des ZDF sind Sie Herr über das gesamte Erscheinungsbild des Senders.
Alex Hefter: Mit meinem zehnköpfigen Team sorge ich dafür, dass der Zuschauer das Zweite wiedererkennt. Wir kümmern uns um den Gesamteindruck, aber auch um das Aussehen einzelner Programme.
ZEIT: Zum Beispiel?
Hefter: Wir haben beispielsweise die ZDF-Nachrichten optisch neu gestaltet und die Kampagne Mit dem Zweiten sieht man besser als Spots auf den Bildschirm gebracht. Außerdem layouten wir Geschäftspapier, Visitenkarten, Anzeigen und Großflächenplakate.
ZEIT: Schauen Sie gerade fern?
Hefter: Natürlich, auf zwei Apparaten. Rechts läuft das ZDF. Links zappe ich zwischen n-tv, Viva, Sat.1 und RTL.
ZEIT: Die ARD ignorieren Sie?
Hefter: Nein, keineswegs. Es gibt ein paar parallele Formate. Ich vergleiche die Präsentation von Brisant mit Hallo, Deutschland oder die Tagesschau und heute.
ZEIT: Wann schreien Sie auf?
Hefter: Wenn ich beim ZDF etwas sehe, was nicht unserem neuen Design entspricht. Zum Beispiel muss die Zwei im neuen ZDF-Logo immer weiß sein. Ich habe sie aber schon in allen Farben erlebt: pink, violett, grün...
ZEIT: Studios, Mikros, Vorspänne und Logos strahlen seit einem Jahr im 70er-Jahre-Orange. Was ist bloß in den "Kukident-Sender" gefahren?
Hefter: Es fing damit an, dass wir zur Fussball-WM 98 nach einer neuen Farbe für die Windschützer auf den Mikros suchten. Orange hatte keiner, deshalb ragt das Zweite jetzt markant aus dem Mikrofonwald hervor. Wir fragen regelmäßig: "Welche Farbe hat das ZDF?". Bei der letzten Umfrage wussten es 70 Prozent.
ZEIT: Einige Kritiker fanden das neue Design zu modern.
Hefter: Pech für die. Das waren wenige Unkenrufe aus der Branche. Inzwischen haben wir für die Gestaltung ein paar wichtige Preise gewonnen. In den Jurys sitzt sogar unsere Konkurrenz.
ZEIT: Das Rennen ums Redesign hat die New Yorker Edelschmiede Razorfish gemacht. Waren Ihnen kein deutscher TV-Designer gut genug?
Hefter: Vier inländische Agenturen, zwei englische und eine amerikanische haben präsentiert. Das Team um Bob English, das kurz darauf zu Razorfish wechselte, überzeugte uns einfach am meisten.
ZEIT: Ist das der Mythos Amerika?
Hefter: Der ist im TV-Design eigentlich eher verblasst. RTL und ProSieben kauften anfangs viel Knowhow in den USA ein. Jetzt ist es andersrum: Agenturen wie die Münchner Velvet Mediendesign sind auch im Ausland sehr gefragt.
ZEIT: Der Nachwuchs kann also hoffen?
Hefter: Absolut. Als Gastprofessor in Mainz habe ich festgestellt, dass sich viele Studenten seit ein bis zwei Jahren für das Berufsbild erwärmen. Durch den Internet-Hype hat sich das Interesse von Print auf elektronische Medien verschoben.
ZEIT: Obwohl die Kirch-Gruppe auseinanderfällt und die Sender auf die Kostenbremse treten?
Hefter: Viele Budgets sind tatsächlich geschrumpft. Das muss man als kreative Herausforderung sehen. Es werden sich neue Sender und Positionen herausbilden. Außerdem haben wir über 35 Free-TV-Kanäle. Das ist fast einzigartig in der Welt.
ZEIT: Wie haben Sie selbst angefangen?
Hefter: Ich habe ab Mitte der 80er in Stuttgart Design studiert und nebenbei für den Süddeutschen Rundfunk gearbeitet. Damals waren TV-Designer noch Exoten. Die ersten Vorspänne habe ich auf 16-Milimeter-Film gedreht.
ZEIT: Jetzt dürfen Sie sogar die ZDF-Wetterkarte überarbeiten.
Hefter: Ein ganz schwieriges Thema.
ZEIT: Wieso?
Hefter: Vom Wetterdienst kommen hohe Datenströme, die in Echtzeit verarbeitet werden müssen. Die Gestaltung sollte nicht zu kompliziert sein, sonst dauert es zu lange, die Karte zu erstellen und dann sind die Inhalte bei der Präsentation schon veraltet.
ZEIT: Sehnen Sie sich da nicht manchmal nach dem WDR-Pausenzeichen, dem heimeligen Spitzendeckchen, zurück?
Hefter: Ich bin mit Kanarienvögeln auf dem Antennenmast des Südwestfunks und jungen Kätzchen, die durchs BR-Logo schlüpfen, aufgewachsen. Prägende Erlebnisse, die mich zu dem Beruf brachten. Das Skurile vermisse ich, aber die langatmige Bildsprache würde heute nicht mehr funktionieren.
- Datum
- Quelle
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







