Kochwettbewerb 2002 Tanz um den goldenen Ingwer

Männliche Übermacht, eine geschmacksbewusste Ministerin und ein Sieger, der seine Erfahrung auskochte: Beim großen Finale des Kochwettbewerbs in Hamburg gab es mehr Preise als erwartet

Der Sieger unseres Kochwettbewerbs stand bereits fest, als die Finalisten morgens um halb zehn in der Küche des Restaurants Haerlin im Hamburger Hotel Vier Jahreszeiten die Herde in Augenschein nahmen, an denen sie in den nächsten Stunden um die Wette kochen würden. Er hieß: der Mann.

In dem Trubel der Vorentscheidungen in Köln, Berlin, München, Baden-Baden und Wien ist der Umstand zu wenig beachtet worden, dass Männer unter den Gewinnern die Mehrheit bildeten. Nämlich jener Typ von männlichen ZEIT-Lesern, für die Kochen ein Hobby ist, das sie mit der gleichen Leidenschaft betreiben, mit der andere Männer an den Wochenenden die Wohnungswände verdübeln. Dabei entwickeln sie einen Fanatismus, der von ihren Frauen und Müttern selten aufgebracht wird, weil die ohnehin tagtäglich am Herd stehen (und das Geräusch des Schlagbohrers nicht schätzen).

Männer kochen, wenn sie denn kochen, verbissener, riskanter und präziser als Frauen. Die Rollenbesetzung in den Profiküchen beweist dies seit langem. Also stand beim Hamburger Finale eine Frau vier männerdominierten Teams gegenüber.

Würde sie eine Chance haben, die Reise nach Paris zu gewinnen?

Es war jene in Leipzig wohnende, in Italien geborene Architektin Anna Dilengite, die bei der Berliner Vorentscheidung gewonnen hatte. Hatte sie die seitdem verstrichene Trainingszeit nutzen können, um ihren Stil zu verbessern und die Würzung zu überdenken? Würde sie gegen die männliche Übermacht bestehen können? Gegen den routinierten Hans-Achim von Stockhausen, den unerschrockenen Nils Dellert, die aufeinander eingespielten Freunde Pascal von Kamp und Kilian Schaefer und schließlich gegen das Wiener Brüderpaar Udo und Volker Moser? Alle hatten sie ja zu Hause noch kräftig fürs Finale üben können, hatten die Messer geschliffen und die Familie genervt.

Die Spannung war nicht nur bei den direkt Beteiligten groß. Auch die Jury wartete klopfenden Herzens auf den Ausgang der Koch-Bataille. Ihr gehörten wie üblich an: Siebeck im Doppelpack sowie der Küchenchef des gastgebenden Hotels (Christoph Rüffer), sodann Josef Viehhauser vom Le Canard in Hamburg, die Ministerin Renate Künast (Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft) und der Parzival der Tagesthemen, Ulrich Wickert.

Eine subtile Delikatesse als Höhepunkt des Finales

Was wir insgeheim erwartet und erhofft hatten, traf ein: Alle Teilnehmer hatten ihr Menü noch einmal überarbeitet und verbessert. Bis auf Nils Dellert, dessen Lachs mit Thai-Relish, dazu Mangostreifen und grünen Fingerspargel in Jasmin-Olivenöl nicht mehr verbessert werden konnte.

Diese subtile Delikatesse war für mich nicht nur die beste Vorspeise, sondern überhaupt der Höhepunkt des Hamburger Finales. Auch seine Roulade von der Hühneroberkeule mit jungem Ingwer auf einer Vanillesauce überzeugte mich durch ihre Originalität und Feinheit. Dass es dann für ihn trotz einer köstlichen Süßspeise (Haselnusseis mit gesalzenen Macadamianüssen, Erdbeeren und Beerenauslese-Karamell) nur zum dritten Preis reichte, lag an der Mathematik bei der Auszählung der Jurorenstimmen.

Aber was heißt nur. Wer sich durch die Vorentscheidungen bis nach Hamburg gekocht hatte, war in jedem Fall ein Gewinner. Das gilt für alle fünf an der Endrunde teilehmenden Leser.

Leser-Kommentare
  1. für erbsenzähler siebeck [vielleicht ein wenig off topic], mein projekt -> gerührt & geschüttelt / kellner unter sich / - folge 4 hat gastronomiekritiker zum thema..
    die aussage im titel von vincent klink findet darin u.a. erwähnung :))

    gerald angerer aka lokalreporter

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