Was ist Pisa-E? Daten, Fakten und Hintergründe zum Schulvergleichstest
Daten, Fakten und Hintergründe zum Schulvergleichstest
Pisa ist der weltweit größte Schulleistungstest, an dem Deutschland bislang teilgenommen hat. Seine Ergebnisse wurden im Dezember 2001 veröffentlicht (ZEIT Nr. 50/01) und lösten eine deutschlandweite Bildungsdebatte aus. Pisa-E ist die Bezeichnung für die deutsche Erweiterungsstudie, die nun Aufschluss über die Leistungsfähigkeit der Schulsysteme in den einzelnen Bundesländern gibt.
Pisa (Programme for International Student Assessment) wurde von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Auftrag gegeben und umfasst insgesamt drei Testrunden. Der erste Pisa-Test im Jahr 2000 legte den Schwerpunkt auf die Lesekompetenz, stellte aber ebenfalls mathematische und naturwissenschaftliche Aufgaben. Die Ergebnisse in Sachen Lesekompetenz fielen ernüchternd aus: Die deutschen Schüler liegen im unteren Drittel der internationalen Rangliste, zwischen Italien und Liechtenstein. Die nächste internationale Testrunde wird es bereits 2003 mit dem Schwerpunkt mathematische Grundbildung geben. Und im Jahr 2006 geht es dann um die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten der Schüler.
Für die erste internationale Pisa-Studie im Jahr 2000 wurden insgesamt 180 000 Schüler aus 32 Industrienationen im Alter von 15 Jahren getestet. In Deutschland wurden 5000 Schüler aus 219 Schulen zum Testtermin gebeten. Ergänzend dazu hat Deutschland aber weitere 50 000 Schüler aus 1246 Schulen geprüft. Diese Testerweiterung bildet nun die Grundlage der nationalen Studie Pisa-E, die einen Bildungsvergleich zwischen den Bundesländern ermöglicht. Mit zwei Ausnahmen allerdings: Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg wurden nicht in die Auswertung von Pisa-E einbezogen. Nur 70 Prozent der geforderten Stichproben hatten am Test teilgenommen. Damit wurde die international festgelegte Grenze von 80 Prozent unterschritten. Lediglich die Leistungen der Berliner und Hamburger Gymnasiasten werden nun gewertet.
Mehr gefragt als Faktenwissen
Der nationale Bildungsvergleich beruht auf Fragen und Aufgaben aus dem internationalen Pisa-Test sowie auf spezifischen Ergänzungsfragen. Pisa-E will nicht einfach zeigen, wie gut deutsche Schüler auswendig lernen, sondern analysiert neben den Fachkenntnissen vor allem fächerübergreifendes Wissen und legt Wert auf Schlüsselqualifikationen. Die Untersuchungen gehen dabei über den Lehrplanstoff weit hinaus. Sie überprüfen auch Kenntnisse und Fähigkeiten, die im Alltag von Bedeutung sind, zum Beispiel das Lesen eines Fahrplans oder das Verstehen von Abrechnungen. Nicht nur um reines Textverständnis, sondern um das Lernen aus Texten geht es beispielsweise bei der Lesekompetenz. Die mathematischen und naturwissenschaftlichen Aufgaben orientieren sich im nationalen Test viel konkreter an den hiesigen Fächern und Lehrstoffen, als das im internationalen Test möglich war.
Pisa-E unterscheidet sich vom internationalen Test aber auch in den Stichproben, die am Verfahren teilnahmen. Weil sich die 15-Jährigen in Deutschland häufig auf verschiedene Klassenstufen verteilen (Gründe sind spätere Einschulungen oder Klassenwiederholungen), wurde für den Vergleich zwischen den Bundesländern zusätzlich noch eine Stichprobe von Schülern der neunten Klassen zusammengestellt. Die Ergebnisse der 15-Jährigen waren wiederum wichtig, um die Bundesländer in die internationale Rangliste einordnen zu können, um also zu wissen, ob sächsische Schüler eher dem Niveau australischer oder brasilianischer Jugendlicher entsprechen.
Für die Pisa-Aufgaben hatte jeder Schüler zwei Stunden Zeit. Sie bestanden aus einer Mischung von Multiple-Choice-Aufgaben und Fragen, für die Antworten ausgearbeitet werden mussten. Außerdem gaben die Schüler Auskunft über das Umfeld, in dem ihre Lernleistungen entstanden: über das Klima an der Schule, ihre Familien, ihre Herkunft, ihren Freundeskreis. So wollen die Bildungsforscher Faktoren ausfindig machen, die das Lernen fördern oder hemmen. jo
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