Die bürgerliche Provokation

Warum Araber und Europäer Amerika hassen, beide auf ihre Weise - und doch aus ähnlichen Motiven. Eine Polemik von David Brooks

Etwa 1830 schaute sich eine Gruppe französischer Künstler und Intellektueller aufmerksam um und stellte fest, dass Leute die Welt am Laufen hielten, die ihnen geistig unterlegen waren. Ein Heer aus Kaufleuten, Managern und Geschäftsleuten verdiente eine Menge Geld, lebte in großen Häusern und besetzte Schlüsselpositionen. Sie verfügten weder über den gewählten Stil der Aristokratie noch über die bodenständige Integrität von Bauern. Sie waren lediglich gewöhnlich. Es handelte sich um vulgäre Materialisten, oberflächliche Konformisten und mit sich beschäftigte Kulturbanausen. Schlimmer noch, es war gerade ihre Mittelmäßigkeit, die sie erfolgreich machte. Durch irgendeinen Fehler im Schöpfungsplan hatte ihnen ihre Gier ungeheuren Reichtum, ungehemmten Machtzuwachs und soziales Ansehen eingebracht.

Künstler und Intellektuelle waren empört. Hass auf die Bourgeoisie wurde daraufhin zum "offiziellen" Gefühl der französischen Intelligenzija. Stendhal meinte, bei Händlern und Kaufleuten würde er am liebsten "gleichzeitig weinen und erbrechen". Flaubert schrieb, Hass auf die Bourgeoisie sei "aller Tugend Anfang". Er unterzeichnete seine Briefe mit "Bourgeoisophobus", der Bürgerfeind, um deutlich zu machen, wie sehr er die "dummen Kaufleute und ihresgleichen" verachtete.

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Von allen großen Glaubensbekenntnissen des 19. Jahrhunderts ist die Bourgeoisophobie das einzige, das heute noch gedeiht. Der Marxismus ist tot.

Der Freudianismus ist tot. Der Sozialdarwinismus mitsamt den Theorien der Rassereinheit ist tot. Nur die Gefühle und Überzeugungen, die Flaubert und Stendhal um 1830 bewegten, begleiten uns weiter, und zwar stärker denn je.

Tatsächlich ist die Bourgeoisophobie mit ihrer Verbreitung bis Bagdad, Ramallah und Peking das reaktionärste Glaubensbekenntnis unserer Zeit.

Kampf dem satanischen Verderber

Zwei Völker, die Amerikaner und die Juden, erscheinen heute in den Augen der Welt als Musterbeispiele für unverdienten Erfolg. In dieser Sicht gleichen Amerikaner und Israelis geldsüchtigen Molochen, sie sind Sittenverderber, Kulturbanausen und Proselytenmacher götzenhafter Werte. In ihrer endlosen Gier nach mehr, heißt es, praktizieren diese beiden Nationen einen Eroberungskapitalismus. Sie überrennen ärmere Nationen und beuten schwächere Nachbarn aus. Und sie gedeihen gerade deshalb so prächtig, weil sie geistig verkümmert sind. Ihre Vergessenheit, was die heiligen Dinge im Leben angeht, ihre rastlose Energie, ihre Ungerechtigkeit und ihre schnöde Jagd nach Macht und Profit erlauben es ihnen, Vermögen aufzuhäufen, Waffen zu produzieren und Hypermacht der Welt zu spielen.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Diskussionsbeiträge. Danke. Die Redaktion/wg

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