Journalismus Selbstmord aus Angst vor dem Tod
Der Hamburger Journalistikprofessor Siegfried Weischenberg über Redaktionen als Profit-Center und andere Spielarten der Ökonomisierung
die zeit: Professor Weischenberg, was halten Sie eigentlich von den Klagen vieler Verleger, ihre wirtschaftliche Lage sei bedrohlich?
Siegfried Weischenberg: Sie sind insofern berechtigt, als es den Tageszeitungen deutlich schlechter geht als vor zwei Jahren. Aber auch wenn einige Fachleute vom größten Einbruch auf den Anzeigenmärkten in der Geschichte der Bundesrepublik sprechen - die Verleger klagen auf einem recht hohen Niveau, ich würde sagen, bei den meisten handelt es sich um eine Normalisierung nach einem Hype. Gleichzeitig gibt es natürlich eine Reihe von Zeitungen, vor allen Dingen im Regionalen und Lokalen, die sehr stark unter dem Anzeigenrückgang leiden. Bei denen ist die Substanz einfach geringer.
zeit: Trifft es einzelne Regionen besonders?
Weischenberg: Ja, es wird immer die Zeitungen in den Regionen besonders treffen, wo das Anzeigenaufkommen ohnehin schwach ist.
zeit: Also reden wir vor allem über Ostdeutschland?
Weischenberg: Ja, nehmen Sie zum Beispiel den Nordkurier, der gerade etwa 100 Mitarbeiter entlassen hat. In meinen Augen ist das ein Weg, der die Existenz einer kleinen Zeitung gefährdet ohne qualifizierte Redakteure kann ich keine Zeitung machen, sonst werde ich in der Medienkonkurrenz nicht dauerhaft überleben.
zeit: Ökonomisch war vieles, was die Verlage in den Zeiten des Anzeigenbooms ausprobiert haben, ein Reinfall.
Weischenberg: Das stimmt, aber für den Leser war es dafür eine echte Freude.
- Datum 31.10.2007 - 13:14 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 27/2002
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