Sex und Geld und etwas Glück

Jonathan Franzens Buch "Die Korrekturen" hat alles, was man von einem intelligenten und prallen Roman erwarten darf

Der Ruhm, der dem amerikanischen Schriftsteller Jonathan Franzen und seinem Roman The Corrections seit einem Jahr vorauseilt, ist so gewaltig, dass sich der Leser nun, da das Buch auf Deutsch vorliegt, vor die Frage gestellt sieht: Ist es wirklich so toll?

Um es gleich zu sagen: Franzens Korrekturen sind schon ein ziemlich guter Roman, aber so toll auch wieder nicht. Er gleicht in vieler Hinsicht einem jener Hollywood-Filme, die man von Zeit zu Zeit ganz gern sieht. Da ist Spannung und Lebensnähe, Weisheit und Witz, da sieht man eine hohe Professionalität am Werk. Die Stimmungen und Schauplätze, die schnellen Dialoge und verweilenden Rückblenden sind sorgfältig dosiert, sodass sich der Zuschauer nie langweilt und am Ende animiert das Kino verlässt.

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Aber wirklich ergriffen, herausgefordert bis an den Rand seiner Fassung - oder gar darüber hinaus - wird er nicht. Der Kinogänger erwartet das auch nicht. Er weiß, dass ein Hollywood-Film keine übermäßigen Risiken eingeht, denn er muss, damit er Gewinn erzielt, das gemeinsame Vielfache ermitteln.

Das ist zwar viel, aber keineswegs alles. So bewegt sich auch der nicht mehr ganz junge Jonathan Franzen (geboren 1959 in Western Springs) mit seinem dritten Roman vollkommen fehlerfrei in jener gehobenen Mittellage, die Schwindelfreiheit nicht erfordert.

Unerbittlicher Zugriff des Alters

Wir begegnen in diesem Buch einer durchschnittlichen amerikanischen Familie, die irgendwo im Mittleren Westen in bescheidenem Wohlstand lebt. Die Kinder (zwei Söhne, eine Tochter) sind aus dem Haus, Alfred und seine Frau Enid sehen mit unausgesprochener Furcht den dunklen Gefährdungen des Alters entgegen. Der Beginn des Romans zeigt uns das Ehepaar in alltäglicher Lage: Enid, beschäftigt mit der mühseligen Organisation ihrer eigenen Desorganisiertheit, mit dem Los ihrer Kinder und der Planung des noch lange nicht fälligen Weihnachtsfestes

Alfred, pensionierter Eisenbahner, ein hinfälliger Riese, der im Souterrain hockt und vergeblich gegen die ersten Anzeichen von Parkinson und Altersdemenz kämpft: "Drei Uhr am Nachmittag war eine Zeit der Gefahr in den gerontokratischen Vororten von St. Jude. Alfred hatte seit dem Mittagessen in seinem großen blauen Sessel geschlafen und war gerade aufgewacht. Nun lag sein Nickerchen hinter ihm, und die nächsten Lokalnachrichten kamen erst um fünf. Zwei leere Stunden waren eine Nebenhöhle, in der Infektionen keimten."

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