Aus dem Nichts kommen wir, ins Nichts werden wir zurückkehren - so sagt es lapidar im Niemandsland zwischen Mexiko und den USA einer, der jenseits der Grenze ein besseres Leben sucht und, von seinem Schlepper verlassen, ohne Unterkunft, Geld und Essen auf diesem Weg stecken geblieben ist.

Chantal Ackermanns dreiteilige Videoinstallation From the other side beginnt mit einem Video, das die glühenden Rücklichter der Autos nachts auf dem Freeway nach Los Angeles zeigt. Eine weibliche Stimme erzählt in einem Amerikanisch, das durch einen starken französischen Akzent verfremdet ist, die Geschichte einer "Illegalen", der sie ein Zimmer vermietet hat. Diese Frau scheint den Schritt in ein besseres Leben geschafft zu haben

sie hat sich in Kalifornien als Gelegenheitsarbeiterin verdingt. Die Stimme aus dem Off erzählt von ihr als jemandem, der aus dem Nichts kam und ins Nichts zurückgegangen ist und über den es deshalb eigentlich nichts zu sagen gibt.

Gerade deswegen hält sie die Erzählerin in Bann. Sie verschwindet, wie sie gekommen war, nachdem die Vermieterin ihr - fälschlicherweise - gesagt hat, der Kurzschluss beim Bügeln käme durch das gleichzeitige Radiohören. Um die letzte Beziehung zur Welt in der völligen Isolation ihres Unortes gebracht, sieht die "Illegale" auch dort keinen Platz mehr.

Auf der letzten Installation ist der Freeway verschwunden, und man hört in der dunklen Bildlosigkeit nur eine Stimme von nirgendwoher, die die Geschichte der Frau, die aus dem Nichts kam und in Nichts zurückging, erzählt. Von der Nichtigkeit, die alles irdische Leben zu einer Passage macht, wissen die Leute jenseits der Grenze nichts. Sie verteidigen ihre Orte und ihre unverrückbare Identität als ihr Ureigenstes. In der Verteidigung des Eigenen, die sie die anderen schlimmer als Kriminelle behandeln lässt, fühlen sie sich von ihrem Staat verlassen. "The US have abandoned us" - der Wortwitz des doppelten US, unschuldig in seiner Unabsichtlichkeit, nimmt beim Wort, was als staatliche Reklame in aller Munde ist.

Die Documenta 11 steht im Jahr 2002 im Zeichen der Vergänglichkeit alles Irdischen

sie exponiert Globalisierung im Zeichen der Vanitas. Monumental ausgebreitet findet sich diese Vanitas über die drei Stockwerke der Apsis des Fridericianums in der Werkschau von Hanne Darboven. Ihre Arbeiten tun bekanntlich nichts als Zeit im sinnlosen Vorbeiziehen zu registrieren - in monoton aneinander gereihten reinen Zeitzeichen. Unumgehbar platziert im Zentrum der ausgestellten Dokumente der Zeit, illustriert das Opus Darbovens die abstrakte Darstellung der Vergänglichkeit alles Irdischen in der Handschrift der Kunst. Eine materialere Realisation bietet die Große Tischruine von Dieter Roth in chaotischer Zertrümmerung, in Ruin und Verfall, den Zeitspuren eines Individuums auf dem Wege zum Tod. Oder in Jef Geys 36-stündigem Abfilmen seiner Fotografien, die hierarchielos aneinandergereiht Dag en Nacht en Dag en ... dem Ablauf der Zeit vom Dunkel zur Helligkeit folgen und in den zum Laufen gebrachten, stillgestellten Augenblicken der Fotografie unzusammenhängendes Leben dokumentieren.