Avi Mograbi kann den August nicht ausstehen. Der August, das ist kein Monat, das ist ein Zustand. Das ist, wie "mitten in einer großen Flamme zu stehen, nichts machen zu können, außer zu warten, bis es vorbei ist", seufzt der Regisseur mit einer Miene, die nicht nur vom ausgiebigen Leiden an den Zumutungen des Sommermonats, sondern auch vom froschäugigen Objektiv seiner Kamera ins Groteske verzerrt wird. "Und, ehrlich gesagt, würde es mich nicht wundern, wenn bei diesem Film überhaupt nichts herauskommt", fügt er hinzu.

"Schließlich ist es August." Doch Avi Mograbi, einer der bedeutendsten linken Filmemacher Israels, ist für seine Freude an apodiktischen Zuspitzungen bekannt. Und dafür, alles schnell Behauptete ebenso schnell wieder aufzuribbeln, bis nichts mehr übrig bleibt als ein subjektives Staunen. Mit Dokumentarfilmen haben seine Arbeiten wenig zu tun. Eher mit Streifzügen eines intellektuellen Clowns, der mal wütend, mal ratlos über die Krise des Nahen Ostens oder über die Siedlungspolitik Scharons reflektiert. Die Unbefangenheit, die kunstvollen Randbemerkungen und die kompromisslose Subjektivität, mit der er sich dem Publikum zur Schau stellt, sind sein Talent und zugleich sein Fluch. So zog er in Wie ich gelernt habe, meine Angst zu überwinden und Ariel Sharon zu lieben aus, das "Monster Scharon" zu entlarven, um dann doch bloß einen unspektakulären "höflichen Bauern" ausfindig zu machen. In August flaniert er nun durch das Alltägliche, fahndet am Strand oder auf der Straße nach der politischen und mentalen Befindlichkeit eines Landes im andauernden Alarmzustand und wird dabei selbst zum Protagonisten seines Films. Diesmal zu einem ziemlich Gebeutelten. Im Fußballstadion wie auf Friedensdemonstrationen wird er beschimpft und weggeschubst. Denn wer weiß schon, ob der aufdringliche Mann mit der Kamera nicht doch für die Polizei, das Fernsehen oder andere Kontrollorgane operiert. An der libanesischen Grenze bewirft ein Junge ihn mit Steinen und schleudert noch ein wütendes "Hisbollah, Hisbollah! Barak ist ein Schwein!"

hinterher. Wenn Mograbi sich später die rot geschwollene Nase massiert oder mit rosa Handtuch um den Kopf zur eigenen nörgelnden Ehefrau mutiert, ist das nur ein kurzer Abstecher in die Burleske. Ein verspieltes Inlet in einem Film, der es bei aller Ironie verdammt ernst meint - mit der Sorge um Israel und der Suche nach einer vorläufig endgültigen Perspektive auf ein nationales Trauma.