zeit: Vor zehn Jahren steckte Finnland in der größten Wirtschaftskrise seiner neueren Geschichte. Heute pilgern Experten und Politiker ins "Sagenland des Nordens". Was haben Sie richtig gemacht?

Tarja Halonen: Man sollte nicht vergessen, dass wir auch vor der Krise schon gut vorangekommen sind, unser Land modernisierten. Aber dann der Zusammenbruch der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Länder - wir verloren wichtige Wirtschaftspartner. Andere große Märkte - Großbritannien, Schweden und Deutschland - gerieten gerade selber in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Gleichzeitig die Globalisierung, die neuen Technologien. Wir mussten uns zusammensetzen, mussten unsere Fehler diskutieren und zusehen, wie wir den Weg zu dem neuen Weltmarkt finden.

zeit: Mit altmodischen Exportgütern, die nicht konkurrenzfähig waren?

Halonen: Auf die neue Weltlage waren wir nicht eingerichtet. Es ließ sich nicht übersehen, dass wir nur eine Chance haben würden, wenn wir Produkte mit modernster Technologie herstellen. Dazu waren riesige Anstrengungen nötig.

Wir mussten öffentliche Einnahmen und öffentliche Ausgaben neu ausbalancieren. Wir konnten weniger für Sozialleistungen ausgeben, mussten mehr für Investitionen und neue Technologien aufbringen. Wir mussten Opfer bringen.

zeit: Kamen keine Zweifel auf? Schien der Weg denn nie zu beschwerlich?

Halonen: Ich glaube, es waren absolut richtige, unumgängliche Entscheidungen.