"Die Sprache ist das Licht der Welt" zitierten Sie unlängst Hans Georg Gadamer. Die Sprache der Bild-Zeitung ist die Finsternis. Bitte nicht als schöngeistiges Räsonnement abtun! Es geht um Verstehen in einer schwierigen Welt. Dieses wird auch von anderen Medien nicht immer befördert, von Bild wird es systematisch behindert. Bei "systematisch" zögere ich natürlich, denn von Ihren Autoren wird die Verschwörungstheorie hinter einer Bild-Zeitung als Gespenst abgetan. Ist sie wohl auch. Aber es gibt eine Bedrohung, die nicht inszeniert zu werden braucht, weil sie immer gegenwärtig ist: die Dummheit!

Mit unserem Bildungswesen, dem auf den hinteren Plätzen, versuchen wir gegen die Dummheit anzugehen. Der Bild-Zeitung erlauben wir das öffentliche Verbreiten von Dummheit. Nicht dass wir es verbieten sollten oder könnten, bloß nicht. Aber zwei ZEIT-Redakteure müssen doch nicht mit dem Meinungspluralismus so anbiederisch umgehen: Zwölf Millionen Individualisten können nicht irren, die Bild-Zeitung als Blödelbarde, selbst von "Intellektuellen" grinsend goutiert.

Bisher fand ich das Prädikat "liberal" für die ZEIT ganz passend

was den Umgang mit jenem unsäglichen Zunftmitglied angeht, kann es auch des Liberalen zu viel sein.

Dr. Günter Reuel, Berlin

Ich frage mich, weshalb Boulevardblätter immer so "unbeteiligt" gelten, wenn behauptet wird, doch nur der "Bedürfnislage des kollektiven Lesers" entsprechen zu wollen.

Es wäre aber erfreulich, wenn die Redaktionsstuben ihren Hang zu allzu grellem und simplem Journalismus nicht immer wieder auf der seelischen Disponiertheit ihrer Leserschaft ausleben würden, sondern, unter Nutzung dieses Effektes, der eigenen Versuchung widerstünden und gleichzeitig dem Niveau ihrer Leserschaft unbemerkt auf die Sprünge helfen würden.