Die Spitzenleute erkennt man an ihrer Mischung aus Korrektheit und Sarkasmus, aus Behördenjargon und Selbstironie. Vielleicht wird man zwangsläufig so, wenn man lange zur Bundesanstalt für Arbeit gehört. So klingt es jedenfalls, wenn Heinrich Alt, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Nürnberger Behörde, von seiner Arbeit erzählt. "Als ich Mitte der Siebziger anfing, kannten die älteren Kollegen noch die wichtigsten Paragrafen des Arbeitsförderungsrechts", berichtet er. "Aber daran ist heute nicht mehr zu denken." Allein seit 1998 seien die Arbeitsmarkt-Kapitel des Sozialgesetzbuches 41 Mal geändert worden - das erste Mal schon bevor das Gesetz in Kraft trat. Wenn Alt über interne Verwaltungsabläufe spricht, fällt das Wort "Realsatire". Er sagt: "Wir sind einiges gewöhnt." Dann grinst er.

Realsatire Arbeitsverwaltung? In keinem anderen Bereich ist die deutsche Sozialbürokratie so verworren, hat sie so schädliche und absurde Folgen.

Längst können Ämter ihre eigentlichen Aufgaben nur noch schlecht erfüllen.

Deshalb müsste hier auch ansetzen, wer die Arbeitsverwaltung reformieren will: die Opposition, der Kanzler oder auch seine Hartz-Kommission, die Verbesserungsvorschläge unterbreiten soll. Die Arbeitsverwaltung braucht nicht nur neue, sondern vor allem weniger Regeln.

Sicher: Bürokratie gibt es überall. Auch Krankenkassenmanager sprechen manchmal Technokratendeutsch, auch Rentenbescheide geben ihren Empfängern Rätsel auf. Aber in der Arbeitsverwaltung ist die Flut von Vorgaben, die effizientes Arbeiten erschweren, besonders krass - aus einem einfachen Grund: Die Hilflosigkeit von Ministern und Abgeordneten angesichts hoher Arbeitslosenzahlen schlägt sich immer wieder in neuen Gesetzen, Programmen und Projekten nieder. Regelmäßig erliegen die Politiker der Versuchung, hier ein kleines Modellprojekt, dort einen neuen Zuschuss auf den Weg zu bringen, anstatt sich an echte Strukturreformen zu wagen. Die Leidtragenden sind Arbeitslose und Vermittler in den Arbeitsämtern. Die Papierstapel auf ihren Schreibtischen sind die Dokumente des schlechten Gewissens der Politik.

Im Ringen mit den Paragrafen haben die Arbeitsverwalter vergessen, sich effizient zu organisieren. In so manchem Arbeitsamt sind Computer und EDV abends nur für Führungskräfte nutzbar. Jobvermittlern werden ihre Bewerber je nach Name alphabetisch zugeordnet, statt die Expertise des jeweiligen Beraters zu nutzen. Oder auch das: Satte Milliardenbeträge schüttet Nürnberg für die Weiterbildung aus - ohne Genaues über deren Wirksamkeit zu wissen.

Kein Konzern könnte sich das erlauben. "Unsere Evaluation der Bildungsangebote ist schlechter als in vielen Schulen", gibt Alt zu.