Liebe Gemeinde! Wir wollen nun trauern. Die Generation Golf ist den Weg aller New Economy gegangen. Ihr Arbeitgeber (das waren die so genannten Berliner Seiten der FAZ) hat sie auf die Straße gesetzt. Die Generation steht nun dort, wo auch der fröhliche Kübelwagen der Zivilgesellschaft, der ihr den Namen gab, unterwegs ist. Bald wird sie ihre geliebte Markenkleidung in die Secondhandläden geben, und eines ferneren Tages wird sie wohl als Generation Kaum Getragen im Gedächtnis bleiben. Sie lebte in der Hoffnung, ohne Jugend und ohne Alter zu sein, befeuert allein von der hessischen Witzischkeit (gesprochen mit einem weischen s). Der tragische Humor dieses Bundeslandes, der seine bevorzugte Klientel unter Kleinkriminellen hatte ("Ruckzuck ist die Lippe dick"), steigerte seine Tragik im Moment des deutschen Regierungsumzugs, als die FAZ die neue Hauptstadt zum Absatzmarkt für ein Produkt machte, das nie zuvor gesehen wurde. Die Drückerkolonne, die mit der Witzischkeit der neuen Seiten in Berlin hausieren ging, wurde von der Generation Golf gebildet, aber mehr aus der generationsspezifischen Anstelligkeit als aus Enthusiasmus.

Liebe Gemeinde! Wie oft haben wir diese kerndeutsche Anstelligkeit vermisst, wie oft ist sie auch schrecklich missbraucht worden. Diese Generation, die heute um ihre Lebenshoffnung gebracht wurde, hat sich mit aller Kraft ihres Mittelklasse-Herzens an den Mittelklasse-Dienstwagen geklammert - und nun? Wo ist er hin? Er ist dort, wo auch die Markenkonfektion gelandet ist, auf dem großen Gebrauchtwarenmarkt des Lebens. Da sitzen die Hehler und werden doch des Schacherns nicht froh. Denn es geht leichter ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass der Konkursverwalter eines Humorblattes ins Himmelreich kommt.

Ihr lieben Zeitungen! So lasset denn ab von den Spaßbeilagen. Es bleibt von ihnen nur eine dicke Lippe. Du sollst sie nicht riskieren, heißt es im elften Gebot für Medienmanager. Es steht auch geschrieben, dass du den Humor der Hessen nicht exportieren sollst. Berlin ist nicht Frankfurt. Vor allem aber sollst du nicht eine ganze Generation verheizen. Wie traurig, wenn auf den Schlachtfeldern die frisch gekauften Uniformen liegen. Kaum getragen! Kaum gelebt. So ist das, wenn der große Kassenwart den Hessenhammer schwingt.

Liebe Gemeinde! Glaubet nicht, dass ihr verschont bleibt. Einer ist immer, der kassiert. Drum löset euch von aller irdischen Witzischkeit.