Doku-Soaps brauchen Helden, damit die Zuschauer mitgehen und sich aufs Wiedersehen freuen. Solche Leitfiguren im wirklichen Leben aufzuspüren und in Szene zu setzen, ist nicht immer einfach, denn schließlich sind die zufälligen Protagonisten einer Doku weder Schauspieler noch Übermenschen, sondern Leute von der Straße - oder von der Wasserkante - wie Peter und Manni, die Fischer vom Hamburger Hafen. Es reicht ja nicht, ihnen nur bei der Arbeit zuzusehen. Man muss sie dazu bringen, dass sie auftauen, von sich erzählen und die Kamera vergessen. Und schließlich tragen zwei Fischerslüüd keine fünfteilige Milieustudie. Da müssen die Jungs vom Schiffs-TÜV her, von der Wasserschutzpolizei und von der Ersten Hilfe. Und Kneipenwirtin Ingeborg, die im Tangorhythmus von St. Pauli singt. Sie alle lassen sich bei der täglichen Routine beobachten - mit der Bereitschaft, mehr zu tun als das Übliche: nämlich das Übliche zu kommentieren und zwar so, dass es unterhaltsam rüberkommt. Die Filmemacher Ulli Rothaus und Bodo Witzke haben bei ihrer Dokuserie über das Tor zur Welt ins volle Leben gegriffen und die richtigen Typen rausgezogen. Ob da ein rostiger Seelenverkäufer am Auslaufen gehindert wird, das Wasserflugzeug Möve Jonathan einen neuen Motor verpasst kriegt oder Peter und Manne ihre Schollen und Makrelen auf dem Fischmarkt versilbern - der Hamburger Hafen zeigt sich hier im Fernsehen mal nicht als tolle Kulisse, sondern als hartes Soziotop mit eigenen Gesetzen. Die Verkehrssprache übrigens ist Hafenenglisch mit Armrudern.

Hamburger Hafen läuft im ZDF ab dem 30. Juni um 18.15 Uhr immer sonntags