Eigentlich mochten sie sich immer, die konservative Bild-Zeitung und die progessive taz. Manchmal tauschen sie ihre politischen Rollen. Und ihre ChefredakteurInnen lieben es, sich über den grünen Klee zu loben. Man schätze den großen Einfallsreichtum und das Talent des anderen. Sagt Kai Diekmann, der Mann an der Spitze von Bild. Sagt auch Bascha Mika, die Chefin der taz.

Tatsächlich gibt es da eine besondere Anziehungskraft der publizistischen Antipoden, die auf den ersten Blick kaum weiter auseinander liegen könnten: Die eine verkauft eine Tagesauflage von gut vier Millionen, die andere von gerade mal 60 000 Exemplaren. Die eine ist cash cow des größten Zeitungskonzerns in Europa. Die andere steht, im Eigenverlag, ständig am Rande des Bankrotts.

Doch jenseits ihrer wirtschaftlichen Basis verbindet beide vor allem eines: die Lust an der Provokation. Keine andere Tageszeitung bagatellisiert, persifliert, kolportiert so viel wie die reiche Bild und die arme taz. Der Respekt für das Normalmaß kann unter permanenter Mittellosigkeit offenbar ebenso wenig gedeihen wie in ewiger Saturiertheit.

Als die taz vergangenen Herbst eine Fotomontage druckte, die Gerhard Schröder als Feldherren mit einer Generalsmütze zeigte, klatschte Bild Beifall: Tolle Idee! Und anlässlich des 50. Erscheinungsjahres von Bild druckte die taz erst letzte Woche ihre Titelseite komplett im Stil von Bild. Monatelang hatte sich die Redaktion in der Berliner Kochstraße auf die Huldigung der Boulevardschweine gefreut - um zeigen zu können, dass auch in ihnen das Boulevardschwein steckt.

Doch selbstverständlich gibt es vieles in der Bild-Zeitung, was der taz schwer missfällt. Als Bascha Mika im April in Berlin bei Bild zu Gast war, um per Telefonschaltkonferenz eine Blattkritik an alle deutschen Bild-Redaktionen zu versprühen, brachte sie Lob und Tadel der taz auf den neuesten Stand. Sie würdigte pointierte Geschichten und Schlagzeilen - und Deutschlands meistgelesene Seite zwei. Sie erwähnte sogar die zunehmend bessere Ausgewogenheit im politischen Urteil von Bild. Allerdings: Die Sexgeschichten und Ehedramen über Gott und die Welt und überhaupt das ganze Ludertum habe kräftig zugenommen. Seit Anfang 2001, als Diekmann die Leitung der Zeitung übernahm, sei diese Sparte mehr denn je das Markenzeichen von Bild.

Zurück in der taz - im Redaktionsgebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite von Bild- Berlin - da hatte Mika womöglich das Gefühl, ihre Kritik sei nicht richtig angekommen. Vielleicht hatte ihre Redaktion aber auch das Bedürfnis, noch eine kollektive Blattkritik nachzulegen.

Jedenfalls verspürten die tazler offenbar Laune, das besondere Verhältnis etwas zu strapazieren. Der Anlass war gegeben, als Bild ein paar Tage später mal wieder ein Schmierenstück über die missglückte Schwangerschaft der Schweizer Botschaftergattin druckte.