Nach Pisa kommt Markus. Gleichzeitig mit dem großen nationalen Schulvergleich veröffentlichten Wissenschaftler der Universität Koblenz-Landau das Abschlussergebnis einer anderen Untersuchung: Sie prüften die Mathematikfähigkeiten sämtlicher Achtklässler eines Bundeslandes. Dabei geht die Mathematik Gesamterhebung Rheinland-Pfalz. Kompetenzen, Unterrichtsmerkmale, Schulkontext (Markus) über Pisa hinaus: Aufgrund intensiver Befragungen von Schülern, Lehrern und Schulleitern machen die Forscher unter Leitung von Andreas Helmke und Reinhold S. Jäger Aussagen darüber, wie guter Unterricht zustande kommt und welche Bedingungen das Lernen erschweren.

die zeit: Wer Eltern oder Lehrer fragt, was an deutschen Schulen schief läuft, erhält stets gleiche Antworten: Die Klassen seien zu groß, zu viele Stunden würden ausfallen. Die Lehrer seien zu alt, und das Fernsehen würde die Kinder am Lernen hindern. Sind das die Hauptprobleme?

Reinhold S. Jäger: Eindeutig nicht. Klassen mit vielen Schülern leisten nur minimal weniger als kleine Klassen. Im Grund wirkt sich die Klassengröße nicht auf den Lernerfolg aus. Das sind persönliche Theorien von Lehrern und Pädagogenverbänden, die die Forschung nicht bestätigt. Ähnlich sieht es mit dem TV-Konsum aus: Die Zeit, die Kinder vor dem Fernseher sitzen, schlägt sich nicht auf ihre Mathematikleistung oder ihre Noten nieder.

zeit: Wie sieht es denn mit dem oft beklagten Unterrichtsausfall aus?

Jäger: Auch da zeigen sich erstaunliche Ergebnisse. Zum einen ist der Unterrichtsausfall relativ gering. Zum anderen schneiden Klassen, in denen Unterricht öfter ausfällt, nicht schlechter ab als solche, in denen alle Stunden gegeben werden.

zeit: Wie ist das zu erklären?

Jäger: Entweder werden die fehlenden Unterrichtsstunden ohne Probleme nachgeholt oder aber die Effektivität des Unterrichts ist insgesamt gering, sodass es wenig ausmacht, ob die eine oder andere Stunde stattfindet oder nicht. Die internationalen Befunde sprechen eher für die zweite Erklärung.