Spielchen gefällig? Bitte sehr. Was fällt Ihnen zu Kafka ein - aaaaaab jetzt!

"Käfer", sehr schön. "Kino", wunderbar. Und steht da nicht ein kleines "geweint" auf dem Zettel? Ganz fantastisch. Wenn wir dafür einen schrägen Tusch haben könnten? (Der Kandidat macht ein trotziges Gesicht. Er hätte noch mehr gewusst. Aber die Zeit, die Zeit ...) - Die Zeit der Literaturoper ist nämlich um. Das hätte der Komponist Hans-Jürgen von Bose eigentlich seit Schlachthof 5 wissen können, einem ungemütlichen Buch von Kurt Vonnegut, das er vor genau sechs Jahren als monströse Niedlichkeit großorchestral eingerichtet hatte. Nun setzt von Bose im Münchner Cuvilliés-Theater zur Abwechslung auf die K-Karte. Kafka ist ja fürs Musiktheater nie verkehrt, schließlich war er mal in Verona in der Oper und hatte, jedenfalls laut Max Brod, Wagners Meistersinger auf den Lippen, als es ans Sterben ging: "Ich hätte ihn für feiner gehalten." Gemeint war Gott. Der Münchner Opernfestspielgänger fühlt sich gleichfalls ein wenig von oben herab behandelt. Denn was ihm da beim K-Projekt 12/14 zumeist gesampelt aus von Boses musikalischer Computertrickkiste entgegendampft, ist ein Selbstgespräch zwischen Personal (Countertenor, Cellist) und Produzent. Löchrige Klangwolken ziehen bedeutungshuberhaft modulierend vorüber. Die Szene spielt im Lichtspielhaus (siehe oben), Kafka erscheint als zappelndes Insekt (siehe oben) oder gibt wirr dialogisierend den Hasen, dessen Igel (der Vater, die Mutter, Felice Bauer, Grete Bloch) immer schon da sind. Der doppelt traurige Held kommt sich, wie nicht anders zu erwarten, im Laufe des Abends selbst abhanden - und auch die Musik (angeblich auf der Suche nach Bernd Alois Zimmermanns Kugelgestalt der Zeit) kennt keinen Ausweg. Eine Uraufverirrung.