Von Silvio Berlusconi weiß man, dass er Ämter liebt. Er sammelt sie wie andere Pokale, von denen er freilich auch nicht wenige besitzt. Zum Beispiel den Pokal der Landesmeister, den er einst mit seinem AC Milan gewonnen hat.

Nun hat sich für ihn wieder eine Gelegenheit zur Machtanhäufung eröffnet.

Innenminister Claudio Scajola bot am Montag Berlusconi seinen Rücktritt an.

Und das zu Recht.

Immerhin hat Scajola den im April wahrscheinlich von den Roten Brigaden ermordeten Arbeitsrechtler Marco Biagi öffentlich als "rompiscatole", zu deuten als "Eiertreter", bezeichnet. Das ist vulgär und sehr dumm. Biagi gilt in Italien als Märtyrer. Und Scajola spuckt ihm ins Grab! Der Aufschrei in Italien war dementsprechend.

Dennoch hat Berlusconi das Rücktrittsangebot abgelehnt. Es besteht kein Zweifel, dass sich Berlusconi selbst für den besten Innenminister hält. Er ist ja seiner eigenen Meinung nach nicht nur der beste Premier, sondern gleichzeitig auch der beste Außenminister. "Ich bin der Beste!" - dieses Zitat aus dem Munde Berlusconis gilt für alle Lebenslagen und alle Ämter.

Man kann sich also fragen: Warum hat Berlusconi abgelehnt? Die Antwort: Scajola bleibt im Amt, aber er ist dermaßen beschädigt, dass er es nicht mehr führen kann. Berlusconi wird es de facto übernehmen. Irgendwann wird er die Formalitäten nachholen und sich zum Innenminister ausrufen. Und wir können weiterhin mit Staunen das Wirken dieser Sammelwut beobachten - das Entstehen von Berlusconi Dux. ul