Das Intermezzo ist vorüber: Deutschland ist wieder Großmacht im Fußball.

Es bringt seine Gegner wieder zur Verzweiflung und wird gefürchtet. Im deutschen Spiel zeigt sich, was wir von Deutschen zu sehen lieben - ihren Durchsetzungswillen. Nach Jahren schlechter Performance, die der Konkurrenz große Freude über schwache deutsche Leistungen bescherte, nun endlich Erfolg an allen Fronten: eine Mannschaft, die mit ihrer Biederkeit klug haushaltet, ein Nationaltrainer der Herzen, die Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land.

Bei uns, sagt man, in einer Atmosphäre der Kennerschaft und maßvollen Organisation, wird sich der Fußball von seinem Abenteuer in Fernost erholen können.

Doch was wird das für eine Weltmeisterschaft?

Bei der letzten WM in unserem Land, 1974, wurde sorgfältig darauf geachtet, die deutschen Machtaspirationen ausschließlich auf die Felder des Sports einzugrenzen und der ganzen Welt zu zeigen, dass Deutschland nur eine Weltmacht im Fußball sein wollte und keine politische Macht. Nie wieder den Sport zu Zwecken der Großmachtpolitik einsetzen, nie wieder 1936, jene erdrückende Darstellung der Macht eines erwachten Deutschlands. Bei den Olympischen Spielen 1972, dann zwei Jahre später bei der Fußball-WM, wollte die Bundesrepublik beweisen, wie sehr sich Deutschland verändert hatte. Alles geriet zur Botschaft gegen die böse alte Zeit. Als neues Merkmal der demokratisch gewandelten Deutschen sollte Heiterkeit vorgezeigt werden, die Neigung zum friedlichen Umgang miteinander. Für die Offenheit und Transparenz stand das Zeltdach des Münchner Olympiastadions, ein Symbol nomadischer Leichtigkeit des Seins. Tragisch war, dass es so einfach war, diese feiernde Gesellschaft durch Terrorismus zu überrumpeln.

Inzwischen scheint die Phase, in der Deutschland der Welt seinen tief greifenden Wandel vom Faschismus zu einem liberalen Land unter Beweis stellen wollte, vergessen zu sein. Die Organisatoren der nächsten WM verstehen den Hintergrund der Münchner Veranstaltungen von 1972 und 1974 nicht einmal mehr.

Politische Symbolik interessiert nicht