Falsches FeuerSeite 3/3
Die nächste Stufe der Meisterschaft wäre der ausdrucksvolle Blick - denn erst Emotionen machen die Illusion komplett. Um aber Kunstwesen beseelen zu können, müssten Programmierer wissen, wie Emotionen dargestellt werden. Aus diesem Grund erteilt beispielsweise der Schauspieler Ed Hooks Programmierern Schauspielunterricht und nennt das Ganze Acting for Animators. Sein Ziel sind keine kindgerechten Disney-Figuren, sondern differenziert agierende Kunstwesen. Schließlich haben die Japaner mit Prinzessin Mononoke (1997) bewiesen, dass Animationsfilme für Erwachsene einen großen Markt haben können.
Allzu menschlich dürfen die digitalen Wesen allerdings auch nicht sein.
Jedenfalls hatten die Programmierer von Final Fantasy von einem gewissen Punkt an "das Gefühl, mit einer Leiche zu hantieren", berichtet der Animator Andy Jones. Ganz ähnlich erging es Lucia Modesto und ihrem Team von PDI/DreamWorks bei der Arbeit an Shrek (2001): Prinzessin Fiona sah plötzlich allzu menschlich aus, der Umgang mit ihr bereitete der Crew Unbehagen. Also wurde das Märchenwesen ein paar Nuancen entmenschlicht.
Und wenn es gar nicht anders geht, dann simuliert man eben die Simulation. Im Plot des Films S1m0ne zum Beispiel, der in diesem Sommer in den USA startet, ersetzt ein Regisseur seine abtrünnige Hauptdarstellerin durch eine virtuelle Schauspielerin. Mit Erfolg: Alle halten die Cyberfrau für echt. Da bislang jedoch kein Cyberwesen in der Lage ist, überzeugend in eine Hauptrolle zu schlüpfen, ging man bei den realen Dreharbeiten den umgekehrten Weg und trimmte eine anonyme Schauspielerin auf Cybergirl.
- Datum 04.07.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 28/2002
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