Modell Nancy R.

Wenn alle vom Populismus reden, warum nicht auch der DGB? "Heiligt der Zweck die Mittel?", fragte er und ließ in Berlin einige Experten darüber reden, darunter auch zwei, die vom Volk und dem, was es in Wahlkämpfen gern hören möchte, besonders viel wissen müssten: Peter Radunski, der mittlerweile vollbärtige Chefdesigner der einstigen Kohl-Wahlsiege ("Politik ohne Bart"), und Matthias Machnig, der Erfinder und Kopf der SPD-"Kampa".

Das jedenfalls ist klar unter den Fachleuten: So wie der berüchtigte Drahtzieher hinter Möllemann/Westerwelle wegen der Wählerstimmen von 10 000 deutschen Muslimen zwischendurch mal ein bisschen tabubrüchig werden, das käme für sie keineswegs infrage. "Das ist zynisch", entrüstet sich Machnig.

"Auf manche Wähler muss man eben auch verzichten", fordert Radunski. Wenn man nur immer wüsste, auf welche.

Nicht zynisch, aber doch populistisch findet Radunski übrigens auch den Einsatz der "ersten Damen" im Wahlkampf, Doris Schröder-Köpf und Karin Stoiber. Wie sie ihren Gatten bei deren Reden in der ersten Reihe anhimmelnd zu Füßen säßen, spottet der freche Berliner, das erinnere ihn sehr an den Stil der First Lady Nancy Reagan. Ganz schön hart, die Bemerkung. Geradezu populistisch.

Pisa und Panama.

Vor vier Jahren war er einer der Wahlkampfjoker Schröders: Jost Stollmann, der Unternehmer, der die Stimmen der Neuen Mitte gewinnen sollte. Nach der Wahl ist er gleich abgesprungen, hat andere Pläne gemacht, die er nun verwirklicht: Der Fastminister segelt auf seiner maßgezimmerten 40-Meter-Yacht um die Welt, zurzeit östlich des Panamakanals unterwegs gen Asien. Mit von der Partie drei Lehrer für Stollmanns fünf Kinder. Die nämlich sollen nach dem Ausflug mit dem Vater keinesfalls mit Wissenslücken in die viel gepriesene Leistungsgesellschaft zurückkehren. Da sei Pisa vor.