Fünf Prozent Rabatt auf das Adidas-Sortiment versprach die Drogeriekette kd zur Fußball-WM für jedes Tor der deutschen Mannschaft. Eine Idee, die die Manager gleich beim ersten Spiel bitter bereuen sollten - dem 8 : 0 gegen Saudi-Arabien.

Immerhin nutzte der Drogeriemarkt als einer der wenigen die Freiheit kreativ, die er seit dem Fall des Rabattgesetzes hat. Waren bis zum 25. Juli 2001 nur mickrige drei Prozent Preisnachlass zulässig, so schienen der Fantasie nun keine Grenzen mehr gesetzt. Damals verbreiteten einige Medien Basarstimmung, Tenor: Jeder, der jetzt noch etwas zum vollen Preis kauft, ist selber schuld.

Heute, ein knappes Jahr später, kommt der fröhliche Feilscher in den Geschäften kaum häufiger zum Zuge als damals.

"Es ist längst nicht so viel passiert, wie von einigen gemutmaßt wurde", sagt Stefan Schneider, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Auch Manfred Dimper, Handelsexperte des Verbraucherzentrale-Bundesverbandes, überrascht das zögerliche Verhalten der Händler nicht: "Wir hielten das von Anfang an für wenig aufregend." Laut einer im Auftrag des Verbandes durchgeführten Emnid-Studie hatten 40 Prozent der Verbraucher bereits früher - illegal - über Rabatte verhandelt. Heute liegt der Anteil kaum höher. Und 57,8 Prozent sagen, für sie habe sich durch die Abschaffung des Rabattgesetzes nichts geändert.

Kein Wunder: Geschickt verstehen es vor allem die Kaufhauskonzerne, die Rabattwünsche der Kunden einzudampfen und zu kanalisieren. "Es gibt nur wenige Feilschversuche", sagt Karstadt-Sprecherin Mechthild Hexamer. "Unsere Verkäufer sind angewiesen, grundsätzlich keine Rabattgespräche zu führen. Das haben wir auch gegenüber den Kunden sehr klar kommuniziert."

Seit dem Fall des Rabattgesetzes verweisen Karstadt und Kaufhof feilschwütige Kunden verstärkt auf ihre Kundenkarten Klub Karstadt beziehungsweise Payback.

Halten sie diese Lizenz zum Punkten erst einmal in der Hand, machen die Kunden davon auch fleißig Gebrauch: Der Durchschnittskassenbon eines Klub-Karstadt-Mitglieds fällt im Schnitt 50 Prozent höher aus.