Prinz Jussuf von Theben heißt die wildeste und anmutigste Gestalt, in die sich die zauberkräftige Dichterin Else Lasker-Schüler zu verwandeln pflegte. Mit dem Namen des Prinzen unterschrieb sie ihre Postkarten, ihn machte sie zum Helden vieler Erzählungen, aber dann wurde ihr der poetische Spielraum zu eng, und sie wollte die Sehnsuchtsfigur auch zeichnen. So entstand im Jahr 1923 Theben, ein Kunstwerk von einem Buch, worin zehn Gedichte mit zehn Zeichnungen wetteifern: um den feineren Strich und das heiterere Sentiment, den vollendeteren Rhythmus und das strahlendere Blau, um den tieferen und zugleich leichteren Ausdruck für die Erscheinungsweisen des Höchsten: heiße es nun Kunst oder Gott oder Liebe.

Else Lasker-Schüler: Theben Gedichte und Bilder hrsg. und mit einem Nachwort von Ricarda Dick Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002 61 S., 24,- e