Fernstudium

Wege zur Weiterbildung

Ein Fernstudium bietet Vorteile für unterschiedliche Interessengruppen. Es eignet sich besonders für Personen, die sich den zeitlichen und räumlichen Vorgaben des üblichen Präsenzstudiums nicht unterordnen können oder wollen. Grund kann einerseits der Wunsch nach berufsbegleitender Weiterbildung sein: Das Feierabend- und Wochenendstudium entbindet einen von der Notwendigkeit, die Berufstätigkeit für das Studium zu unterbrechen. Andererseits können auch Personen, die - meist aus familiären Gründen wie Kindererziehung - ortsgebunden sind, über das Fernstudium einen Universitäts- oder Fachhochschulabschluss erwerben.

Neben der Möglichkeit, ein grundständiges Studium als Fernstudium zu absolvieren, gibt es verschiedene Aufbau-, Zusatz- und Weiterbildungsstudiengänge, die als Fernstudium angeboten werden. Zugangsvoraussetzung ist dabei meist ein abgeschlossenes Studium oder mehrjährige Berufserfahrung, manchmal wird auch beides vorausgesetzt. Daneben haben einzelne der Bildungseinrichtungen weitere Zugangsvoraussetzungen wie Praktika erlassen, die sich an den Erfordernissen des jeweiligen Studienganges orientieren.

Eine bedeutende Anlaufstelle für Interessenten an einem Fernstudium ist die FernUniversität Hagen, wo grundständige Studiengänge und Aufbaustudiengänge angeboten werden. Die FernUni ist in sechs Fachbereiche gegliedert: Informatik, Erziehungs-, Sozial- und Geisteswissenschaften Elektrotechnik und Informationstechnik, Mathematik, Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft. Bereits bei der Studienplatzbewerbung kann man angeben, ob man ein Vollzeit- oder ein Teilzeitstudium ablegen will.

Die Weiterbildungsmöglichkeiten an der FernUni sind in drei Bereiche unterteilt: "Besondere Weiterbildungsangebote", "Strukturierte Weiterbildung" und "Kursstudium". Bei der "Strukturierten Weiterbildung" und dem "Kursstudium" haben die Studenten den Status des Gasthörers. Dabei ist das Kursstudium vor allem als Schnupper- und Orientierungsstudium konzipiert. So kann man anhand speziell zusammengestellter Kurse einen ersten Einblick in das Fernstudium erhalten oder auch sein Wissen auffrischen, sei es aus einfachem Interesse oder mit der Motivation, später ein "ordentliches" Studium aufzunehmen.

Die "Besonderen Weiterbildungsangebote" der FernUni sind am ehesten mit den klassischen Aufbau-, Weiterbildungs- und Zusatzstudiengängen an "normalen" Präsenz-Universitäten vergleichbar. Im Angebot sind Fächer, die eher auf allgemeine Horizonterweiterung und wissenschaftliche Vertiefung fachlicher Kenntnisse ausgerichtet sind - beispielsweise "Medizinische Ethik" oder "Wirtschaftsphilosophie" - und andererseits Fächer, die auf konkrete berufliche Spezialisierung abzielen - etwa "Fachanwalt / Fachanwältin für Strafrecht", "Psychotherapie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie" oder "VorLAuf- Vorbereitung auf Leitungsaufgaben in Schulen".

Über die Zugangsbedingungen lässt sich pauschal sagen: Je mehr das jeweilige Studienangebot auf Spezialisierung ausgerichtet ist, desto strenger sind die Zulassungsvoraussetzungen. So gibt es beispielsweise bei dem Angebot "Computergestützte Weiterbildung Informatik" überhaupt keine Zugangsvoraussetzung, während man für "Arbeits- und Organisationspsychologie" ein abgeschlossenes Hochschulstudium der Psychologie nachweisen muss. Ähnlich unterschiedlich sind auch die zeitlichen Anforderungen an die Studenten. Einige Angebote bieten eine absolut freie Arbeitseinteilung, während das traditionelle Fernstudium sich in der zeitlichen Struktur eher am Präsenzstudium orientiert - mit einem recht festen Zeitplan, wann welche Arbeits- und Lerneinheiten zu absolvieren sind.

Auch die Kosten für die einzelnen Studienangebote sind sehr unterschiedlich. Für das viersemestrige "Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaft" beispielsweise muss man nach Angaben der FernUni 5000,- Euro bezahlen, das Einzelseminar "'Gut zu wissen!?' Von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft", das auf eine Dauer von zwei Monaten angelegt ist, kostet 358,- Euro.

Ganz ohne persönliche Anwesenheit kommen jedoch auch viele Fernstudiengänge nicht aus. Je nach vorgesehener Studiendauer und Gesamtumfang des Studiums sind eine oder mehrere Präsenzphasen obligatorisch. Meist sind es zwei Tage, dabei werden die entsprechenden Termine mit Rücksicht auf Berufstätige oft auf Wochenenden gelegt.

Gerade durch die verstärkte Einführung von Lernmethoden auf Basis elektronischer Medien wird sich in Zukunft die zeitliche und räumliche Flexibilität beim Fernstudium mit Sicherheit weiter erhöhen. Das sogenannte E-Learning mit software-gestütztem und web-basiertem Lernen bietet hier Nutzungsmöglichkeiten, die sich immer breiteren Anwenderschichten erschließen. Software- oder Online-Lerneinheiten kann man je nach persönlichem Zeitbudget im eigenen Rhythmus absolvieren. Und insbesondere das Internet mit Diskussionsforen, Mailinglisten und auch Chat-Systemen bietet beste Möglichkeiten zur qualifizierten akademischen Auseinandersetzung mit Lehrenden und Kommilitonen - egal an welchem Ort sie sich befinden.

Neben der FernUni Hagen bieten auch zahlreiche andere Universitäten und Fachhochschulen eigenständig weiterbildende oder aufbauende Fernstudiengänge an. Leider sind die entsprechenden Studiengänge im Internet noch nicht ausreichend zentral und systematisch erschlossen, so dass eine Recherche nach passenden Studienangeboten unumgänglich ist. Wie in der Vergangenheit werden auch wir weiterhin im JOB-newsletter auf interessante Fernstudiengänge hinweisen.

Die FernUniversität Hagen
http://www.fernuni-hagen.de/

Der "Fachhochschul-Fernstudienverbund der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen" führt eine Liste mit grundständigen und postgradualen Fernstudienangeboten der angehörigen Bundesländer:
http://www.fvl-agentur.de/fernstudien_angebote/index.html

Die "Zentralstelle für Fernstudien an Fachhochschulen", zuständig für die drei Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland. Relativ ausführliche Informationen für Interessierte und Studierende (leider ist die Darstellung der Seiten im Netscape-Browser nicht optimal)
http://www.zfh.de/

Ein checklistenartiger Kurzratgeber zum Thema Fernstudium beim (auch ansonsten für Studenten empfehlenswerten) "Studienführer: Lernen und Studieren"
http://www.iss.stthomas.edu/studyguides/Deutsch/Fernstudium.htm

Die AG-F (Arbeitsgemeinschaft für das Fernstudium an Hochschulen) - eine Art Dachverband von Fernstudieneinrichtungen, der dem AUE (Arbeitskreis Universitäre Erwachsenenbildung) untergeordnet ist. Das Internetangebot der AG-F ist wenig informativ, enthält jedoch eine Mitgliederliste über die man schnellen Zugriff auf verschiedene Deutsche Fernstudieneinrichtungen hat. Außerdem finden sich hier Links zu Partnerorganisationen der AG-F auf europäischer Ebene
http://www.ag-fernstudium.de/

Die "Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht" (ZFU), zuständig allgemein für Fernlehrgänge in Deutschland - also nicht nur im akademischen Bereich. Sehr nüchtern aufgemacht, mit sachlichen Informationen
http://www.zfu.de/

"Studieren im Netz", ein Informationsangebot der "Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung". Hier finden sich Meldungen und Informationen zu "virtuellen" Studienangeboten und eine Datenbank, in der man entsprechende Angebote suchen kann. Allerdings sind nicht nur eigenständige Studiengänge, sondern beispielsweise auch einzelne Lerneinheiten und -module verzeichnet
http://www.studieren-im-netz.de/fmg.htm

Das "Zentrum für Fernstudien und Universitäre Weiterbildung (ZFUW)" an der Universität Kaiserslautern. Informationen über Fernstudiengänge aus verschiedenen Bereichen. Leider ist das Angebot etwas "over-designed" und es mangelt an wichtigen Informationen (beispielsweise erfährt man nicht, von welcher Organisationbzw. Einrichtung die beschriebenen Studiengänge angeboten werden - vermutlich von der Uni Kaiserslautern)
http://www.zfuw.de/

 
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