die zeit: Viele Umfragen zeigen, dass die Wissenschaft das Vertrauen der Öffentlichkeit verliert - egal, ob es um die Sicherheit von Lebensmitteln geht oder um die Dreifachimpfung gegen Röteln, Masern und Mumps in England. Was empfehlen Sie gegen diese Vertrauenskrise?

Rupert Sheldrake: Der Mainstream der Wissenschaft sieht darin eine Krise der Selbstdarstellung, die sich durch besseres öffentliches Verständnis für Wissenschaft beheben lasse. Doch die Krise geht tiefer. Es handelt sich um eine Entfremdung zwischen wissenschaftlichen Institutionen und den Bürgern, denen die Forschung dienen sollte und von denen sie letztlich bezahlt wird.

zeit: Woher rührt diese Entfremdung?

Sheldrake: Die Wissenschaft hat sich zu einem bürokratischen, strukturkonservativen System entwickelt. Forschungsgelder, Publikationen, Beförderung und Prestige hängen von peer reviews anomymer Komitees ab. Dadurch wird ein Mechanismus der Selbstbestätigung gefördert. Dominierende Auffassungen werden bestätigt und verstärkt ...

zeit: ... aber zugleich auch schlechte Forschungsprogramme und Fehlentwicklungen abgewehrt.

Sheldrake: Das etablierte System mag törichte Forschung verhindern, aber es bremst auch Originalität und Innovation, erzeugt Anpassung und Ängstlichkeit. Innovation aber ist lebensnotwendig für die Wissenschaften.

zeit: War das früher anders?