Die Französische Revolution Alles war so möglich!Seite 6/6
Und dennoch, trotz allen Aufwands: In Erinnerung bleibt allein das Fest von 1790. "Ich habe gestern", schreibt Klopstock einige Tage nach seinem 77. Geburtstag am 2. Juli 1801 an Freund Cramer nach Paris, "unsre Feyer des 14. auf Harvestehude in Gedanken wiederholt, und sie mir so rein von allem Folgenden vorgestellt, dass ich es keinem Franzosen zugestehe, gestern so vergnügt gewesen zu seyn, als ich es durch Hülfe jener Reinheit gewesen bin!"
Auch Caspar von Voght schwärmt in seinen Lebenserinnerungen rückblickend, er habe damals die seligsten Tage seines bisherigen Lebens verbracht. Und Sophie Reimarus' Bruder August von Hennings bemerkt noch 1821: "Als der jugendliche Reitz des Freiheits Auflebens in Gräuel und Unsinn verwilderte und die jugendlichen Gefühle sich in männlichem Unwillen verlohren, als die am innigsten trauerten, die sich am lautesten und lautersten gefreut hatten, ward die Hamburgische Feier des 14. Julius zum prallen Gegenstand eines Jacobiner Vorwurfs gemacht. Vergleicht man indessen jenes lebendige Aufblühen der Hofnung des Edelsten in der Menschheit mit der sterbenden Hofnungslosigkeit unserer Zeiten, wen rühret dann nicht eine lichte Morgenröthe froher Kindlichkeit, wer möchte dann nicht Aussicht gegen Aussicht vertauschen und wer gäbe nicht gern die jetzige Wahrheit für die einstige Täuschung zurük?"
Am schönsten aber hat Stinchen, hat Christine Reinhard-Reimarus den Schmerz der Erinnerung in Worte gefasst - und die Hoffnung, die blieb. Aus Italien, wohin sie ihren Mann begleitet, schreibt sie 1798 an ihre Mutter: "Heute ist der 14. July, ob Ihr diesen Tag wohl in H.(amburg) feiert? Wie froh, wie selig haben wir ihn (...) miteinander gefeiert! (...) Ich denke an die schöne folgende Strophe unsers Liedes: Hebt den Blik! Der ganzen Erde / Galt der Kampf und floß das Blut, / Daß sie froh und glüklich werde, / Aufgeklärt und weis' und gut. - Diese Zeilen können - müssen noch wahr werden, in ihnen allein liegt Trost und Hoffnung. Gute Menschen müssen eine grosse Sache, für die sie und andere so viel gelitten haben, nie verlassen, selbst die Leiden müssen sie fester daran ketten. Dann wird immer die Macht des Bösen nur vorübergehend seyn, und - die Thränen sind die Saaten hoher Freude, grosser Thaten."
Der Autor ist Historiker und lebt in Altona
- Datum 11.07.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29/2002
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