Lange hat man nichts von der Jungen Freiheit gehört. Nun aber läuft der Name der Berliner Wochenzeitung ständig über den Ticker. Die junge Truppe, deren Erweckungserlebnis der Bocksgesang von Botho Strauß war, denkt und schreibt heute rechtspopulistisch und fiebert mit Ronald "Gnadenlos" Schill der kommenden Wahl entgegen. Herrliche Zeiten für die Neue Rechte: Möllemann-Affäre, Walser-Streit, Antiterrorkrieg und Teuro-Panik sind willkommene Gelegenheiten, die alte Melange aus Antiwestlertum, Geschichtsrevisionismus und Identitätsduselei wieder aufzulegen. Der erste Scoop war ein Interview mit Jamal Karsli, in dem der "Einfluss der zionistischen Lobby" angeprangert wurde, die "den größten Teil der Medienmacht in der Welt inne" habe. Danach mochten Eckhard Henscheid und Joachim Kaiser sich dem tapferen kleinen Wochenblatt nicht mehr verschließen, das den Kampf gegen das Weltjudentum und seine angebliche Macht wieder entdeckt hat. Beide gewährten große Interviews. Henscheid gab Möllemann seinen "Segen" und versucht, "mein eigenes Judentabu zu brechen". Es werde "immer alberner", dass "das Judentum gesonderten Tabuschutz genießt". Joachim Kaiser sieht das ähnlich und liefert eine denkwürdige Übung in Entsorgungsdialektik: Wer in Walsers Buch antisemitische Züge entdeckt, sei selbst Antisemit, denn er müsse ja Schlimmes über Juden denken, um Walsers Hassfigur als "typisch jüdisch" zu verstehen. Antisemit ist also, wer Antisemitismus zu erkennen glaubt. Auch eine Art Schadensabwicklung: Wer beleidigt ist, ist selbst schuld. Da kommen einem zwei schöne Henscheid-Bücher in den Sinn: Die Vollidioten heißt das erste, Erledigte Fälle das zweite.