Was macht die Welt? hat es längst aufgegeben, Währungsbewegungen "rational" erklären zu wollen. Als Italien vor einem Jahr einen klitzekleinen Schluck aus der Defizitpulle nahm, stürzte der Euro gleich um ein paar Cents ab. Heute saufen drei Euro-Großländer mit, und zwar gieriger als seinerzeit Rom, und der Euro steigt trotzdem. Die Ausfuhren der Exportsupermacht Deutschland fallen (mithin braucht das Ausland auch weniger Euro), und dennoch steigt der Außenwert der Gemeinschaftswährung. Die Zinsen in Euroland liegen knapp unter den amerikanischen, können also den Euro-Anstieg auch nicht erklären. Aber wenn Was macht die Welt? wirklich etwas vom Währungsmarkt verstünde, würde der Autor nicht Kolumnen schreiben, sondern auf den Bahamas seine Millionen zählen.

In der Türkei zerfällt die Regierung und die sie tragende Partei gleich mit. Das Land will dennoch schnell in die EU. Wie kann das gehen?

Wenn Regierungs- und Parteizerfall ein Grund für die Verweigerung der EU-Mitgliedschaft wären, müssten Italien und Frankreich zumindest Blaue Briefe bekommen. In Italien hat sich bekanntlich die Staatspartei Democrazia Cristiana in Nichts aufgelöst; Ähnliches ist den französischen Sozialisten, die fast zwanzig Jahre lang in Paris mitregiert haben, in den diesjährigen Parlaments- und Präsidentschaftswahlen passiert. Italien hat in der Zeit seiner Europa-Mitgliedschaft an die 60 Regierungen verschlissen. Mithin befände sich die Türkei in guter Gesellschaft. Entscheidend ist nur, dass Ankaras nächste keine Militärregierung ist.

Im Streit um den Internationalen Strafgerichtshof bieten die USA Kompromisse an. Hat sich Europas Gegenwehr doch gelohnt?

Europas "Gegenwehr" war insofern ein dummer Fehler, als damit die amerikanische Militärpräsenz in Bosnien gefährdet wurde. Dergestalt hätte sich Europa mehr gefährdet als es die Amerikaner hätte ärgern können. Dass jetzt in den UN von Kompromissen die Rede ist, sollte kein Grund für Siegesgeschrei sein. Es ist wichtiger, die USA bei Friedenseinsätzen auf dem Balkan oder sonstwo dabei zu haben, als sich das Recht zu nehmen, amerikanische Militärs oder Politiker hinterher vor Gericht zu bringen. Die alten Römer hatten ein warnendes Wort parat: Fiat iustitia, pereat mundus. Auf deutsch: Recht um jeden Preis, auch wenn die Welt dabei zugrunde geht.

Ein Wort zur deutschen Außenpolitik...

Die findet derzeit nicht statt, es sei denn, man will Schröders ebenso plumpen wie törichten Versuch, den Telekom-Sommer zu stürzen, als Außenpolitik sehen. Was dieser Versuch leider auch ist. Denn die Telekom (die zu 43 Prozent dem Bund gehört), wird nie ein wirklicher Global Player werden, wenn sie, wie gehabt, ein Spielball innenpolitischer Interessen bleibt und der Kanzler den De-Facto-Geschäftsführer spielt.