Nikosia, 15. Juli 1974. Der Präsident hatte gerade die ersten Besucher empfangen, als Panzer der Nationalgarde das Feuer eröffneten. Soldaten stürmten den brennenden Palast, wenige Stunden später erklärten die Putschisten im eroberten Rundfunk der zypriotischen Hauptstadt Makarios für tot. Doch bereits am nächsten Tag meldete sich der angeblich tote Präsident über den örtlichen Sender aus Paphos, der Hafenstadt im Westen der Insel, zurück und rief die Bevölkerung zum Widerstand auf. Makarios war durch die Hintertür des Präsidentenpalastes entkommen, hatte ein Auto angehalten und war geflüchtet. Als Paphos von griechischen Schnellbooten beschossen wurde, rettete er sich in einen UN-Hubschrauber, der ihn auf den nahe gelegenen britischen Stützpunkt Akrotiri brachte. Drei Tage später hielt der gestürzte Präsident Zyperns in New York vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eine flammende Rede gegen die griechische Militärdiktatur.

Makarios III., seit 1950 Erzbischof von Zypern, war eine schillernde Figur.

Als die britischen Kolonialherren die Insel 1960 in die Unabhängigkeit entließen, wurde er der erste Präsident des neuen Staates. Der Geistliche mit dem wallenden Bart war eine charismatische Person und bei der Bevölkerung sehr beliebt - zumindest bei der griechischen Mehrheit auf der Insel. Dennoch hatte Makarios viele Feinde. In Ankara etwa warf man ihm vor, die türkische Minderheit zu unterdrücken. Bereits 1963 hatte er versucht, die Verfassung zugunsten der griechischen Minderheit zu ändern, was zum Ausbruch eines monatelangen Bürgerkriegs geführt hatte.

Die griechischen Obristen bezichtigten ihn des "nationalen Ungehorsams", weil er ihre "Theorie vom Nationalen Zentrum" nicht akzeptierte. Diese, in einem denkwürdigen Memorandum festgehalten, besagt: "Das zypriotische Griechentum ist ein untrennbarer Bestandteil der griechischen Nation (...). Zentrum des zypriotischen Griechentums ist Nikosia, Zentrum der Nation ist Athen (...). In jedem Fall (...) muss die zypriotische Linie sich der griechischen Linie (...)

anpassen."

Den Amerikanern schließlich war der "Castro im Priesterrock" ein Dorn im Auge, weil er mit den Sowjets flirtete und das US-Embargo gegen Nordvietnam nicht mittrug. Sein Beharren auf Blockfreiheit, Neutralität und Unabhängigkeit war zudem eine Absage an alle Versuche, die strategisch günstig gelegene Insel als Basis für militärische Einsätze im nahöstlichen Krisenherd zu nutzen.

Auch auf Zypern selbst hatte Makarios Feinde. Die Terroristen der EOKA-B warfen ihm Verrat an der nationalen Sache vor. Die von den griechischen Militärs mit Waffen versorgte Untergrundorganisation agierte nicht gegen die türkische Minderheit, sondern terrorisierte ausschließlich die griechisch-zypriotische Linke und die Anhänger von Makarios, der selbst mindestens drei Attentate überlebte. 1973 sprengten EOKA-B-Terroristen das Polizeipräsidium von Limassol in die Luft. Kurz danach wurde der Justizminister entführt. Im April 1974 trat Makarios die Flucht nach vorn an.