Das hier", sagt Cees Dekker und lächelt, während er das kleine Glasfläschchen schüttelt, "ist das schwarze Gold des 21. Jahrhunderts." Das Fläschchen enthält eine trübe, schwarze Brühe, die überhaupt nichts Spektakuläres hat. Darin schwimmen, fürs bloße Auge unsichtbar, vereinzelte Kohlenstoff-Nanoröhrchen, auf Englisch carbon nanotubes. Auch die anderen Fläschchen, die der jungenhafte 43-jährige Physiker mit dem Bürstenhaarschnitt in den Regalen seines Labors an der holländischen TU Delft stehen hat, sehen unscheinbar aus: Ein paar schwarze Krümel sieht man bestenfalls, denn die Nanotubes sind im Prinzip Ruß.

Aber das ist so, als würde man sagen, Siliziumchips seien im Prinzip Sand.

Die winzigen Röhrchen, deren Molekülstruktur an aufgerollten Maschendraht erinnert, haben traumhafte physikalische Eigenschaften. Sie sind 20-mal so zugfest wie Stahl. Wärme leiten sie doppelt so gut wie Diamant, und dem elektrischen Strom setzen sie 1000-mal weniger Widerstand entgegen als Kupfer. Theoretisch könnte durch ein Kabel aus Nanotubes mit einem Quadratzentimeter Querschnitt ein Strom von einer Milliarde Ampère fließen - metallische Kabel würden bei dieser Stromstärke nicht nur schmelzen, sondern einfach verdampfen.

In den vergangen Jahren haben sich mehr und mehr Forscher darangemacht, diese theoretischen Eigenschaften in praktische Anwendungen umzusetzen. In Produkten findet man die Röhrchen bislang kaum, wenn man von einem dubiosen Tennisschläger absieht, der angeblich mit Nanotubes verstärkt ist. Aber schon im nächsten Jahr sollen die ersten Bildschirme auf den Markt kommen, die Kohlenstoffröhrchen enthalten. Und in 10 bis 20 Jahren, prophezeien einige Visionäre, sollen die Nanotubes das Silizium als Grundstoff der Elektronik ablösen.

Spitze Röhren für Bildschirme

Die Geschichte begann Ende der achtziger Jahre. Damals entdeckten Forscher in dem Ruß, der bei einer hoch energetischen Bogenentladung entstanden war, eine neue Form des Kohlenstoffs. Bis dahin kannte man reinen Kohlenstoff nur als Diamant oder Grafit. Bei den "Buckyballs" genannten neuen Molekülen bildeten die Atome eine Sphäre aus Fünf- und Sechsecken, genau wie bei einem Fußball.

Bilder des fotogenen Moleküls gingen um die Welt. Eine Anwendung für die Kohlenstofffußbälle wurde freilich nie gefunden.