Es ist ein Gefühl, als würde dich der Chef schon loben, wenn du morgens einen Stift in die Hand nimmst. Als würde er vor Begeisterung juchzen, wenn du den Rechner startest. Als würde er dir beim Eintippen der ersten E-Mail-Adresse die Füße küssen, dir bei der Formulierung eines kleinen Gedankens das Gehalt erhöhen und dich auf dem Weg zum Mittagstisch befördern.

Ha, lacht der Leser bitter, der vielleicht einmal im Jahr von unmaßgeblicher Seite ein gequältes Lob abbekommt. Jibbet doch gar nicht! Ich aber sage: Jibbet! Nicht den Chef. Das Gefühl.

Neulich, eines Montags, kam aus der fernen Schweiz ein Mann zu mir, parkte seinen Volvo-Kombi vor meinem Haus, öffnete den Kofferraum und zog ein seltsames Fahrgerät hervor. Es hatte Räder wie ein Fahrrad, eine Verkleidung wie ein Rennmotorrad und Sponsorenaufkleber wie ein Skispringer. Der Mann, er stellte sich als August vor, sagte: Steig auf und fahr los! Ist frisch geladen.

Ich stieg auf und fuhr los. Fuhr sich so na ja, das Teil. Halt wie ein 25 Kilo schweres Fahrrad. Doch dann war da ein Knispeln. Danach ein Raspeln, das sich zu einem Brausen steigerte. Und mir war, als setzte ein Rückenwind ein, wie ich nie einen Rückenwind erlebt hatte: Er blies umso stärker, je schneller ich fuhr! Plötzlich stand 35 auf dem Tacho. Entsetzt wichen Alte, Hunde und Inlineskater vom Radweg. Ich schaltete einen Gang hoch und fuhr 40.

Vielleicht sollte ich einstreuen, dass ich ein völlig ungeübter Rennradfahrer bin, dem 30 Stundenkilometer das höchste der Gefühle bedeuten, im Flachen, ohne Wind. Und es war flach und windstill. Je schneller ich wurde, umso mehr Belohnung wurde mir zuteil. Auf Pausen reagierte das Rad mit Pause, auf Engagement aber mit Engagement, ach was: Überengagement. Bei Tempo 50 wechselte ich sicherheitshalber auf die Straße, trat lustig in die Pedale und zischte über den Asphalt, merkte gar nicht, dass eine Schnellstraße begann, doch ich war ja schnell, sehr schnell, fuhr beinahe mühelos 65, und wäre ich jetzt trainiert gewesen und ein Fahrradass, dann hätte ich vielleicht 70, 80, ja 100 Sachen erreichen können! Sagte mir August später. Als ich wieder daheim war. Kaum außer Atem und doch ein bisschen trainiert. Aufgekratzt.

Meine Güte, was war das gewesen? Wenn mich die Polizei angehalten hätte, das hätte eine schöne Diskussion gegeben. Was ist das, bitte schön, für ein Fahrzeug? - Na ja, am ehesten ein Fahrrad ... mit Elektromotor, wie wir am Hinterrad sehen. Na gut, vielleicht doch eher ein Mofa. - Und wo ist das Versicherungskennzeichen? Wo ist der Integralhelm? - Ich kann doch nicht mit Integralhelm Fahrrad fahren! - Aber 65 Stundenkilometer! Haben wir gemessen.