Eben noch lief er unauffällig am Eingang auf und ab, in sich versunken, als bemerke er die in den Saal strömenden Besucher nicht. Dann federt Ulrich Strunz auf die Bühne, knipst sein berühmtes Strahlen an, weiße Zähne im gebräunten Gesicht unter weißblondem Haar. Seine Füße stecken in Schuhen aus Handschuhleder, in denen er tänzeln, wippen, hüpfen kann wie ein ungeduldiges Vollblutpferd am Start. Strunz ist angespannt. Vor ihm sitzen 170 Menschen. Er will sie von sich überzeugen.
Man nennt ihn den deutschen Fitnesspapst oder auch den Gottschalk des Sports: Ulrich Strunz, gefragter Arzt mit einer gut gehenden Praxis, seit 22 Jahren verheiratet, erfolgreicher Sportler und Ironman, einer der besten Triathleten und 100-Kilometer-Läufer Europas, Autor von Ratgeberbüchern zu Fitness und Ernährung mit einer Gesamtauflage von über 2,3 Millionen. Wenn die Österreicher ihre Laufschuhe anziehen, sagen sie: "Ich gehe strunzeln." Wie viele Leute durch Parks und Wälder laufen, nur weil es den Internisten aus Roth bei Nürnberg gibt, kann man nicht sagen. " Hunderttausende, vielleicht Millionen", schätzt Ulrich Strunz selbst.
Er könnte also gelassener sein. Zwar steckt die Zunft der Heilbringer mit ihren "Du schaffst es"-Sprüchen in einer Glaubwürdigkeitskrise, doch das mache ihm nichts, sagt der Doktor aus Franken. " Ich bin kein Seminarunterhalter. Was ich mache, ist Medizin."
Wer im Kongresssaal des Hotels Maritim in Timmendorfer Strand sitzt, wo Strunz sein Seminar Kreativität und Höchstleistung hält, merkt schnell, dass das untertrieben ist. Strunz verkündet nicht weniger als die frohe Botschaft der immer währenden Jugend und wie einfach es ist, sie zu erlangen.
Darf ein seriöser Arzt so viel versprechen? Ist der Auflagenmillionär wirklich ein heilbringender Medizinmann oder einfach nur ein gerissener Geschäftemacher? Es gibt Fotos, die so etwas wie ein Markenzeichen von ihm geworden sind. Darauf zeigt Strunz grinsend mit dem Finger in I want you-Manier auf den Betrachter. Es wirkt fast, als sei er virtuell, eine Comicfigur. Ist er womöglich kaum mehr als sein eigenes Marketingprodukt?
Der 58-Jährige wieselt über die Bühne wie ein Balletttänzer, gestikuliert, dass Körpersprachelehrer Samy Molcho, der am folgenden Tag auf dem Programm steht, vor Neid erblassen müsste. Vier Prozent Fett hat er auf dem durchtrainierten Körper, betont er, normale Menschen haben 20 Prozent. Mindestens. Strunz ist gebräunt vom Laufen und von der Sonnenbank, seine Zähne sind überkront. Sitzt man ihm nachher direkt gegenüber, sieht er im Gesicht um einiges älter aus. Strunz hat angestrengte Schatten unter den Augen, und sein linkes Bein wippt unruhig auf und ab.
Er weiß, was seine Zuhörer bewegt. Bis zu 200 Vorträge per annum hat er in den letzten Jahren heruntergerissen, und alle - Freiberufler, Manager, Angestellte -, alle haben sie dieselbe Frage im Kopf: Wie kann ich noch effizienter und erfolgreicher sein, um den steigenden Erwartungs- und Leistungsdruck besser zu meistern? Was schützt mich in diesen unsicheren Zeiten vor existenziellen Krisen? Gibt es ein Geheimnis, ein Geheimnis der Sieger?
"Ich dachte immer, Erfolg kommt von Überstunden, von Rackern bis spät in die Nacht!", ruft Strunz seinem Publikum zu. " Aber das Geheimnis ist: Es geht auch völlig leicht." Sein Lächeln sagt: mühelos. Strunz erzählt von der Ameise, die unten auf dem Boden rackert und schleppt, bis zum 60fachen ihres Körpergewichtes. Würde sie nach oben gucken, könnte sie den Adler sehen, der gar nichts tut, und doch hoch über ihr in den Lüften schwebt. Wie geht das?, fragt Strunz ironisch. Die Zuhörer beugen sich erwartungsvoll vor, und der Meister raunt, als gäbe er vor staunenden Kindern eine Vorstellung: "Erfolg mit souveräner Leichtigkeit, mit einem Lächeln, auch abends um zehn noch am Schreibtisch sitzen, lächelnd - geht denn das?" Dann lacht er das Strunz-Lachen, hehehe, das ein bisschen wirkt wie das überzogene Lachen von Harald Schmidt. Und das heißen soll: Natürlich geht es, ich weiß, wie es geht.
Dann spricht der Messias wieder zu Erwachsenen: "Ich möchte hier kein Seminar halten. Ich möchte Ihr Leben verändern."
Ja, es gibt ein Geheimnis der Erfolgreichen, erzählt Strunz. Politiker wie Joschka Fischer und Konzernlenker wie Jürgen Weber, Lufthansa, oder Jürgen Schrempp, DaimlerChrysler, wenden es an, und auch der kleine Mann kann es lernen: Wer mit dem richtigen Puls läuft, locker, lächelnd, mehr als eine halbe Stunde täglich, Strunz nennt das "Ultraleichtlauf", der nimmt ab und fühlt sich gut. Denn der Mensch wurde nicht zum Sitzen erschaffen, er wurde geschaffen, um sich zu bewegen. Wer immer weiter läuft, der entwickle "somatische Intelligenz", das Bedürfnis, nur noch das zu essen, was einem gut tut. Der könne gar nicht so verfetten wie manche Autofahrer, deren Fettablagerungen bereits ihre Reaktionen beeinflussten, "lachen Sie nicht!", ruft er, das sei schreckliche Realität. Und zeigt ein Video einer Operation, bei der man abgelagertes Fett aus der Schlagader eines Patienten schält, um den Infarkt zu vermeiden.
Aber, ruft er ins entsetzte Auditorium, das können Sie sich ersparen, ganz leicht: Steht auf und lauft! Beim Laufen wird das Hirn besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, ihr könnt besser denken, habt bessere Ideen, und das alles schneller, also spart ihr Zeit - mehr als ihr zum Laufen benötigt. Ihr fühlt euch gut, seid kreativer, erfolgreicher. Noch mehr, wenn ihr Entspannungs- und Meditationsübungen anwendet. Und obendrein, als Geschenk, bekommt ihr neue, Strunz' Stimme singt jetzt, "Le-bens-e-ner-gie": "Man wird vom 18- zum 400-PS-Menschen!" Strunz verspricht die ideale Leichtigkeit des Seins. Strunz macht aus dem Laufen eine Glaubensfrage Der Doktor, der kein Motivationstrainer sein will, beherrscht alle Kniffe dieser Branche. Er präsentiert Zahlen und Tabellen, die belegen, was er sagt, und er macht zugleich eine Religion daraus, an die man glauben muss, "das geht nicht mit Informationen". Und er hat etwas Unverwechselbares kreiert: den Laufstil. Strunz empfiehlt Vorfußlaufen, das Tänzeln auf den Zehenspitzen. Etwas, das barfuß und im Gras ein Kinderspiel ist, vom beschuhten Lauflaien aber behutsam trainiert werden muss, will man keine Wadenbeschwerden haben. Selbst dann gibt es einen gewissen Werbeeffekt, denn Ärzte diagnostizieren Morbus Strunz.
Lebt der Doktor selbst im Einklang mit seiner Lehre?
Jemand habe einmal geschrieben, er mache sich zum Clown bei seinen Auftritten, erzählt Strunz später. Und das sei gar nicht falsch, nur so erreiche man die Leute. Wenn Strunz privat lacht, klingt das viel natürlicher als auf der Bühne. Zu Hause, in Roth bei Nürnberg, sind auch die Schatten unter seinen Augen kleiner. Hier wachsen Kiefernwälder auf sanft federnden Böden, am Main-Donau-Kanal kann man viele Kilometer entlanglaufen, für viele eine harte Strecke, weil sie so monoton sei, aber er schwebe hier immer, lächelt Strunz.
Sicher, in seinen Seminaren erzähle er "Primitivstwahrheiten": Bewege dich, mache ein wenig Sport, ernähre dich richtig. Dinge, die jeder Arzt erzählen sollte, nicht nur der dicken Autofahrer wegen. Schon 20 Prozent der deutschen Kinder haben Übergewicht, 60 Prozent leiden an Haltungsschäden, 25 Prozent an Herz- und Kreislaufschwächen. Aber viele Ärzte täten es nicht.
Ulrich Strunz wird ernst, als er über Mediziner spricht, die "Drohmedizin" machten, in ihrer Praxis säßen und Tabletten verschrieben statt "Frohmedizin", statt auf die gesunden Leute zuzugehen und sie zum Laufen zu bringen. Ärzte! Mit 19 habe er dicke Knie bekommen und nicht mehr gehen können, sagt Strunz, kein Arzt habe helfen können, bis ihm ein Professor geraten habe, sich nicht mehr zu schonen, es sei ohnehin egal. Er wurde wieder gesund. Damals, sagt Strunz, beschloss er, Arzt zu werden, um es besser zu machen.
Strunz redet sich in Rage. Seine Mutter sei an Diabetes gestorben, er habe sie gepflegt, heute hätten schon Kinder Altersdiabetes infolge falscher Ernährung, "ich habe das Leid gesehen, ich weiß Bescheid". Seine Stimme ist hart und entschlossen geworden, in ihm brodelt eine ungeheure Energie. Strunz macht eine kleine Pause. Er habe sehr viel Emotionalität, sagt er dann.
Man könnte unterstellen, dass jemand, der mit 58 stolz darauf ist, Extremsportler zu sein, dem eigenen Alter davonlaufen will - noch dazu, wenn er mit einer fast 20 Jahre jüngeren Frau verheiratet ist. Das allein wäre aber zu einfach. Ulrich Strunz hat früh gelernt, Höchstleistungen zu bringen. Er stammt aus einer wohlhabenden Görlitzer Familie, die gegen Kriegsende nach Erlangen fliehen musste. Dort lernten die Kinder ein Musikinstrument, sogar Tennis, aber für die Erlanger blieben sie die Flüchtlinge. Die Mutter, eine Rechtsanwältin, die 14 Sprachen beherrschte, hatte den Ehrgeiz, erzählt Strunz, dass aus ihren Kindern etwas Besonderes werde.
Ulrich war hart zu sich. Der Musterschüler und Einserabiturient studierte Physik und Medizin gleichzeitig, nachts arbeitete er in der Klinik. Als er an den Universitäten Erlangen und Los Angeles die hormonelle Steuerung von Körperfunktionen erforschte, hatte er manchmal 22- Stunden-Tage. Viele Ärzte sind Arbeitstiere, Strunz arbeitete wie ein Besessener.
Er habe "gedient", nennt er es in seinen Seminaren, 30 Jahre habe er gedient, beim Nachttopfleeren im Krankenhaus, für seinen Professor, der ihm, "Strunz, Sie sind belastbar", zu sechs Arbeiten gerne noch eine siebte aufgehalst habe, als Kassenarzt in Roth habe er geschuftet von morgens um vier bis abends um zehn.
In Wahrheit redet Strunz von ungeheurem Ehrgeiz und von dem Gefühl, nicht das zu bekommen, was einem zusteht. Vielleicht redet er auch davon, dass sich für manche der Wert eines Menschen daran bemisst, was er leistet.
Mit 45 Jahren lernt Ulrich Strunz den Extremsportler Hubert Schwarz kennen. Schwarz überredet den Doktor zum ersten Achtkilometerlauf seines Lebens. Strunz rennt los. Die Endorphine im Blut, berichtet er, "unser wunderbares körpereigenes Kokain", lassen ihn mithalten. Er entdeckt eine neue, heilsame Welt. Laufen wird für ihn Erholung, Meditation, ein Weg zum Glück und zu innerer Ruhe. Was er heute empfiehlt, hat er selbst erlebt.
Aber er ist noch immer nicht zufrieden.
Strunz absolviert seinen ersten Marathon, dann muss es der Triathlon sein, dann der Ironman: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Nicht ein Ironman, 1989, im Jahr nach seinen ersten Laufschritten, reißt Strunz gleich alle fünf Wettbewerbe herunter, die es gibt. Hawaii, den wichtigsten, schafft er in 10 Stunden, 22 Minuten. Strunz setzt noch eins drauf. Den Ultraman auf Hawaii. Etwas für Wahnsinnige. 10 Kilometer Schwimmen im Meer, danach 145 Kilometer Radfahren. Am nächsten Tag weitere 276 Kilometer auf dem Rad, überflüssig zu erwähnen, dass Hawaii gebirgig ist, am dritten Tag ein doppelter Marathon. Von Ultraleichtlauf keine Rede. Es reicht Strunz nicht, ins Ziel zu kommen. Er wird Erster seiner Alterklasse. Erster!
"Jetzt lebe ich", sagt Ulrich Strunz zu seinem Publikum.
Er spürte nicht, als sich einmal beim Laufen ein Stein so tief in seine Fußsohle bohrte, dass er herausoperiert werden musste. Er habe keine Schmerzen empfunden, erzählt er, als er einen Triathlon mit gebrochenem Schienbein zu Ende lief.
1990 fing er an, Seminare zu halten.
Man hat den Eindruck, als gäbe es zwei Strunzens: den Extremsportler, der den eigenen Körper als Mittel zum Ziel einsetzt, und den Doktor, der sich um die Gesundheit sorgt. Unvereinbare Gegensätze? Nein, sagt Strunz, das sei ja gerade das Geheimnis, man könne auch ganz entspannt Höchstleistungen bringen und glücklich werden.
Ist Ulrich Strunz entspannt?
Morgens ab sieben steht der Doktor in der Praxis, 20 bis 30 Patienten hat er am Tag, mittlerweile sind es Privatpatienten, diese Arbeit brauche er, betont Strunz, er wolle genau wissen, worüber er in seinen Seminaren spreche. Nachmittags rast er im silberfarbenen Mercedes zu einem seiner Vorträge oder geht nach Hause. Dort warten seine Frau und seine beiden Kinder, Privatsphäre. Auf Fotos sieht man ein schönes, großzügiges Haus, gestaltet in mediterranen, heiteren Farben, und eine harmonische Familie. Es wird zusammen musiziert, Strunz spielt Flöte, und man fragt sich, wie er das auch noch schafft. Denn da warten seine Bücher, vier schreibe er zurzeit pro Jahr, er gibt Interviews, klärt Vorträge ab, und, natürlich, er muss täglich laufen und noch dazu für Wettkämpfe trainieren.
Menschen spüren, wenn man sie ernst nimmt, sagt Strunz. In den Pausen seiner Seminare setzt er sich auf den Rand der Bühne, baumelt mit den Beinen, und die Leute kommen auf ihn zu. Das sei ihm fast lieber, als wenn er vor großem Publikum auftreten müsse, er sei im Grunde ein zurückhaltender Mensch, sagt er. Herr Doktor, fragen die Leute, wann laufe ich am besten? Strunz lächelt und sagt, dass es morgens am besten sei, er aber verstehen könne, wenn es nur abends gehe. Herr Doktor, ich habe eine schlimme Achillessehne, was mache ich da? Strunz lächelt und zeigt eine Dehnübung.
Auch zu Hause, im Freibad im fränkischen Roth, kommen sie auf ihn zu. Du, Doktor, in Roth duzt man sich, ich laufe und habe schon zwölf Kilo runter. Fein, sagt Strunz. Aber jetzt hatte ich eine Leistenoperation, und der Arzt hat gesagt, ich soll mich schonen, bevor ich wieder laufe. Wann war die OP? Unsinn, sagt Strunz, die Nähte sind verheilt, laufe. Aber wenn es doch wehtut? Los, sagt Strunz, ich zeig dir, wie es nicht wehtut. Er hakt den Zweimetermann unter und übt mit ihm das richtige Lauftempo. Der andere strahlt, verabschiedet sich mit herzlichem Schulterklopfen. Danke, Doktor! Danke!
Danke ist ein Wort, das die meisten Ärzte heute in ihrer von Leidensdruck und Sparzwang geprägten Praxis kaum noch hören. Ulrich Strunz hört es unentwegt. Herr Doktor, ich habe schon zehn Kilo abgenommen. Herr Doktor, ich fühle mich wie ein neuer Mensch. Herr Doktor, für mich sind Sie fast so etwas wie ein Guru. Zigfach kommt das Danke per Brief und E-Mail, quillt aus dem Faxgerät in seiner Praxis.
Sein Porträt prangt jetzt auch auf Haribo-Tüten "Das ist meine Praxis", sagt Strunz und zeigt auf die Kinder im Rother Freibad. " Das ist meine Praxis", sagt Strunz auf der Straße in Roth und macht eine allumfassende Handbewegung.
Für jeden, der einige Zeit als überlasteter Kassenarzt verbracht hat, muss so viel Dank ein unheimliches Glücksgefühl sein, fast noch schöner als das, was man beim Laufen bekommt. Und irgendwann muss es einem ein bisschen so vorkommen, als sei man Gottes rechte Hand.
Über die andere, nicht so positive Seite redet der Doktor nicht von allein. Sicher, in seinen Vorträgen blende er aus, dass beim Abnehmen auch die genetische Veranlagung eine Rolle spielt, "ich rede für 80 Prozent der Leute". Aber Nachteile wollten die Leute in den Seminaren nicht hören. Und weckt er nicht manchmal übertriebene Erwartungen, die seine Zuhörer und Leser dann nicht einlösen können? Lässt er Menschen, die an dem Versuch scheiterten, ihrem Leben durch Laufen einen neuen Sinn zu geben, nicht fürchterlich allein? Seltsam, sagt Strunz leise, er habe erst gestern darüber nachgedacht, und zuerst sei er von dem Gedanken betroffen gewesen. Aber es gebe doch Helfer, Ärzte, an die sich diese Leute wenden könnten.
Strunz' Stimme hebt sich wieder, als er über seine Kritiker spricht. Neid, diagnostiziert Strunz, es gebe in Deutschland eine Neidkultur, leider, das merke jeder, der es hier zu etwas gebracht habe. Und immer dieser Vorwurf der Geschäftemacherei. Dass man zum Beispiel von der Strunz-Homepage im Internet zum Shop eines Laufkollegen kommt, wo man Vitaminpräparate kaufen kann und auch das Eiweißpulver, das Strunz selbst entwickelt hat. Ja und, sagt Strunz, er verdiene nicht daran, wir bekommen einen kleinen Obolus, sagt ein Mitarbeiter von ihm. Dass er mit Honoraren über 12 000 Euro einer der bestbezahlten Seminarreferenten Deutschlands ist, dass eine Blutuntersuchung, bei der man feststellt, welche Nährstoffe dem Körper fehlen, in seiner Praxis um die 1250 Euro kostet, dass sein Porträt jetzt auch auf Haribo-Tüten prangt - ja und, ruft Strunz, "darf man nichts verdienen, wenn man den Menschen Gutes tut?"
Ulrich Strunz wird böse, wenn er sich angegriffen fühlt. Er kann nicht darüber hinweggehen, wenn ein Journalist schlecht über ihn schreibt, er schreibt scharfe Erwiderungen, er will Recht behalten.
Ulrich Strunz ist ein Besessener.
Weniger zu machen, mehr zu leben, das wäre doch auch ganz schön, sagt er einmal im Interview. " Die Leichtigkeit habe ich noch nicht richtig, die hole ich mir jetzt erst Stück für Stück."
Aber da ist die neue Praxis in Roth, mit großem Parkplatz und Kaffeeküche für die Patienten, die Bücher, die noch zu schreiben sind, ein Fernsehproduzent interessiert sich für eine Fitness-Sendung mit ihm, und sein Manager bemerkt versonnen, dass jemand wie er für den amerikanischen Markt genau der Richtige wäre.
Was Strunz, der Doktor, wohl raten würde, wenn Strunz, der Ehrgeizige, eines Tages zu ihm in die Praxis käme?