7 Tage mit Hartmut Graßl
Früher wollte ich gar nicht gerne zu politischen Gipfeln fahren. Da wird ja doch nur gequatscht, habe ich mir gedacht, und es kommt nichts raus dabei.
Heute denke ich anders: Ohne zähes Ringen kann man keine Verträge abschließen. Eine Woche vorauszuschauen, bin ich sozusagen gewöhnt. Denn die Wettervorhersage kann auch genau eine Woche in die Zukunft blicken. Länger nicht.
Am DONNERSTAG werde ich bei Gruner + Jahr hier in Hamburg Vorträge über Artenvielfalt hören. Auch wenn es manche meiner Klimakollegen nicht gerne hören: Ich bin von diesem Fach begeistert. Angefangen hat dies, als mir ein Biologe zwei Vorher-nachher-Fotos gezeigt hat, aufgenommen in einer Landschaft zwischen Ägypten und Libyen, die aussah wie eine Wüste. Der Kollege hatte Stacheldrähte im Quadrat auf dem Boden aufgespannt, so konnten Kamele und Ziegen dort nicht mehr weiden. Nach sieben Jahren war auf dem Quadrat eine wunderbare Trockensavanne entstanden. Sehr beeindruckend, dass man so die Wüste in dichte Vegetation zurückverwandeln kann. Tolle Fotos. Wir Menschen sind ja Augentiere. Das gilt auch für die Hochwasser: Erst wenn die Leute Ertrinkende sehen, glauben sie an den zusätzlichen Treibhauseffekt.
Am FREITAG kommen um 10, 11 und 12 Uhr drei Studenten zur mündlichen Prüfung.
Für mich ist das im Gegensatz zu den Studenten immer Erholung. Nachmittags erwarte ich dann eine ehemalige Mitarbeiterin. Sie kommt vielleicht mit ihrem Boss, dem Hamburger Umweltsenator Peter Rehaag. Ich kenne ihn noch nicht, weiß nur, dass er in Umweltdingen kein Fachmann ist. Ich werde ihm mit einem Vortrag für den Gipfel in Johannesburg helfen, auch wenn er von der Schill-Partei kommt. Ich kann ja nicht sagen: Die einen stinken, und die anderen duften.
Ich gebe eine internationale meteorologische Zeitschrift heraus. Am SAMSTAG werde ich mich um sie kümmern. Die Zeitschrift ist von mittlerem Niveau. Das hat den Vorteil, dass Wissenschaftler veröffentlichen können, ohne dafür teuer zahlen zu müssen. Leider schreiben sie oft in schlechtem Englisch.
Abends glotze ich dann. Drittes Programm, Bayerischer Rundfunk. Dort kommen hervorragende Sendungen über Natur und Kulturlandschaften. Ich bin im Naturschutzgebiet Königsee aufgewachsen, habe im Sommer bis zum meinem 14.
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren