Auf jeder Kuhweide ein Event

Bei Wahlen in Bayern geht es afrikanisch zu: Subsaharische Mehrheiten, Vodoo-Zauber am Aschermittwoch und die Presse so pluralistisch wie in Ouagadougou. Beobachtungen im Feld von unserem Kapstadter Korrespondenten

Passau/Oberaudorf

Der nächste Bundeskanzler? Wer so einfältig fragt, kann nur ein Fremder sein.

Anzeige

Oder ein Sozi. Weil das Ergebnis am 22. September sowieso feststeht: Stoiber gewinnt - wer denn sonst? "Hier kannst du einen schwarzen Hund aufstellen, der wird auch gewählt", glaubt eine Studentin. Hier in Passau. Der Wahlkampf ist in der Dreiflüssestadt nichts anderes als ein traditionelles Initiationsritual. Eigentlich könnte man ihn ganz ausfallen lassen. Dies ist Stammesgebiet, es herrscht nur einer, der Big Man, und als Korrespondent aus Afrika fühlt man sich gleich heimisch.

Unsere Mission - Wahlbeobachter in Bayern - bedarf einer kurzen Erläuterung.

Denn normalerweise bewegt sich diese Subspezies des Polittouristen nur in eine Richtung: von Nord nach Süd. Man sieht sie schweißgebadet irgendwo im Busch oder Urwald in dicken Regularien über faire Wahlkämpfe und freie Wahlen blättern. Wird die Opposition verprügelt? Geht es an der Urne mit rechten Dingen zu? Wie ist das politische Binnenklima? Der Süden der Sahara, das ist allgemein bekannt, hat gewisse Probleme mit der Demokratie. Aber wie verhält es sich im Süden der Donau, im Heimatland des Kandidaten? Wir kehren den Kontrollblick zur Abwechslung einmal um.

Passau also. Eine schöne, reiche, wenn auch kürzlich überflutete Stadt, fleißige Bürger, an der Uni eine kleine Raubtierzucht. Die Studenten sind so strebsam, dass sie in der Bibliothek Seiten aus den Lehrbüchern reißen, damit sie kein Kommilitone verschlinge. Einen Buben hören wir reimen: "99 Handgranaten / Fliegen in den Kindergarten." Mitten im Ort steht die Nibelungenhalle, ein Schwarzenkral, in dem die magischen Urkräfte der Vorväter walten und die Großmänner der CSU aschermittwöchlich ihre ungläubigen Widersacher verwünschen - eine Art Voodoo-Brauchtum.

Naturgemäß haben es Frauen in Passau nicht leicht. Aber einer der örtlichen Parteihäuptlinge, die sich heute auf der Tribüne vor dem Rathaus anschauen lassen, ermutigt die Besucherin mit der Schmeichelei, dass sie immer hübscher werde. Die Besucherin, Angela Merkel, ist die Chefin der Schwesterpartei CDU.

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service