Comic für Ältere
Die Teekanne tropft nicht. Grund genug für die beiden Einbrecher, sie mitzunehmen. Wo sie schon mal da sind. Um ordentlich abzuräumen: Von der Mikrowelle bis zur E-Zahnbürste wandert alles, was 'ne Schnur hat (oder wenigstens nicht tropft) in den Beutesack. Das beraubte Ehepaar wird nicht mal wach, als die Gangster noch den Wecker konfiszieren. Am nächsten Morgen ist die Not groß. Ich fühle mich beschmutzt!, ächzt Margaret. Und Bob füllt die Verlustliste für die Versicherung aus. So ein Einbruch lohnt sich. Denn wer außer den Dieben weiß schon, dass die Glotze eine Art Museumsstück war?
Auch 'ne Nähmaschine, zu der es nie gereicht hat, wird auf die Liste gesetzt.
Alles an dieser Zeichentrickserie ist very british, vom Vorgärtchen in Bobs und Margarets Siedlung bis zu den Blümchen auf der Teekanne und der Mimik all der steifleinenen und zugleich komplett durchgeknallten Typen. Gemächlich, klangvoll und hintergründig fallen die Dialogzeilen aus dem Nichts ins Lachzentrum der Zuschauer. Eine wundervolle Marginalie, diese Bob- und Margaret-Cartoons. Warum haben wir so etwas nicht? Weil man hierzulande wohl immer noch denkt, Zeichentrick sei nur was für Kinder. Damit nun die Erwachsenen zwischen Konstanz und Flensburg begreifen, dass diese Comics für sie gemacht sind, lässt man die Serie nachts um Viertel nach eins laufen. Und für alle diejenigen, die den Fernseher nach Mitternacht einschalten, um sich von ihrer Schlaflosigkeit abzulenken, ist sie genau das Richtige: Bob und Margaret verscheucht mit gutmütiger Misanthropie alle Arten von mittlerer Unpässlichkeit.
Bob und Margaret läuft dienstags bis freitags um 1.15 Uhr auf Sat.1
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren