Das Letzte

Aus der englischen Grafschaft Kent erreicht uns soeben die Nachricht, dass eine Schar Jugendlicher zwei Tage und zwei Nächte auf dem Dachboden ausharren musste, weil es ihnen nicht gelang, die Abstiegsluke zu öffnen: Sie hatten sie immer nur in die eine, leider die falsche Richtung bewegt. Beklommen fragen wir uns, ob unsere Zivilisation, dieser englische Patient, sich in der Meldung nicht aufs Eindrucksvollste beschrieben sieht. Immer wieder zieht es sie in die falsche Richtung, anstatt dass die Zivilisation es einmal andersherum versucht und die Laufrichtung ihrer Hoffnung ändert. Warum etwa glauben wir noch immer an die Verbesserung des Lebens, anstatt uns mit seiner ultimativen Verschlechterung anzufreunden? Warum erheben wir Anspruch darauf, dass Kühlschränke, Kleinwagen und Kinder im Trockenen stehen? Warum halten wir Waldbrände und Überschwemmungen für eine historische Ausnahme und nicht für die natürliche Regel? Warum verfluchen wir die Wassermassen, anstatt unsere Singlecontainer auf Stelzen zu bauen? Warum tragen wir Stöckelschuhe von Prada und nicht Gummistiefel von Conti? Warum machen wir überhaupt noch einen Unterschied von Land und Meer, Stadt und Fluss? Warum geben wir nicht endlich zu, dass wir es auch nicht wissen, genauso wenig wie die Betriebswirte und Modernisierer, die morgen eine Wahrheit widerrufen, die sie gestern selbst nicht geglaubt haben? Warum soll ein ökonomisch abgeholzter Regenwald nachwachsen und nicht auf immer verschwinden? Warum klagen wir über das entzückende Ozonloch, anstatt auf die selbst gefertigte Veränderung der Schöpfung stolz zu sein? Warum bestehen wir darauf, dass uns die Sonne hinter den Treibhausgasen nicht die Haut verbrennt, statt ihr auf Knien zu danken, dass sie dies nicht schon längst getan hat? Warum reklamieren wir ein Recht darauf, dass die Erde sich morgen noch dreht? Warum fürchten wir die Klimakatastrophe, anstatt darüber zu jubeln, dass sie erst so spät eintritt und unsere Urgroßeltern gnädig verschont hat? Warum hoffen wir händeringend, dass Planetoiden, die kosmischen Geisterfahrer, an der verseuchten Mutter Erde vorüberrasen, anstatt sie nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit endlich einmal zu treffen? Warum verschanzen wir uns nicht hinter den Sandsäcken der Nüchternheit und lassen endlich die Pegelstände unserer Hoffnung sinken?

Warum frohlocken wir nicht über jedes Unglück, das uns glücklich erspart bleibt? Warum staunen wir nicht darüber, dass etwas ist und nicht viel mehr nichts?

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