Der Arzt als Politikum

Karl Lauterbach ist der wichtigste gesundheitspolitische Berater der Regierung. Damit macht der Mediziner sich unter Kollegen nicht nur Freunde

Meistens passierte es beim Fußball, Handball oder Tischtennis. Der schlaksige Junge aus Düren brach sich mehrfach die Arme, den Fußknöchel, einmal sogar das Nasenbein. "Mein Ehrgeiz war leider größer als mein sportliches Können", erinnert sich Karl Lauterbach. Aber er machte weiter.

Ständig lag er damals im Krankenhaus.

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Inzwischen ist der 39-Jährige selbst Mediziner - und sein Ehrgeiz und sein Duchhaltevermögen haben dem Gesundheitsökonomen aus Köln zu einem rasanten Aufstieg verholfen: Lauterbach, der meist durch Fliege und akkuraten Seitenscheitel auffällt, ist einer der einflussreichsten Wissenschaftler im Dunstkreis der rot-grünen Bundesregierung. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nutzt, duzt und schätzt ihn, viele Parlamentarier suchen regelmäßig seinen Rat. Gerade erst baten ihn auch die Spitzengewerkschafter von ver.di um Unterstützung für ein sozialpolitisches Konzept. "Immer dort, wo ein gesundheitspolitisches Podium zu besetzen ist, findet sich ein Schild mit seinem Namen", schrieb die Ärzte-Zeitung kürzlich. "Karlchen Überall" nennt ihn ein Branchendienst.

Lauterbach gehört zu jenen Grenzgängern zwischen Politik und Wissenschaft, die oft mehr bewegen als mancher Fachpolitiker - durch Gutachten, Zeitungsinterviews und Talkshow-Auftritte, durch offene und verdeckte Ratschläge an die Politik. Die Art und Weise, wie Lauterbach das tut, hat ihm neben Respekt allerdings auch viel Missbilligung eingebracht. Er sei zu nahe an der Politik und damit unwissenschaftlich, sagen Kollegen naserümpfend.

Andere dagegen attestieren dem Kölner, er habe gerade mit seiner forschen Art viel bewegt.

Darf ein Experte Partei ergreifen?

Nicht einmal vier Jahre sind vergangen, seit Lauterbach in den wichtigsten gesundheitspolitischen Beraterzirkel der Bundesregierung berufen wurde, den Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen. Der Zeitpunkt war günstig, denn in der Folgezeit gewann der Rat deutlich an Gewicht. Ein Gutachten über das Nebeneinander von Über-, Unter- und Fehlversorgung im Gesundheitswesen fand große Resonanz. Immer mehr Deutschen wurde klar, dass es um ihr Gesundheitswesen schlechter bestellt ist, als Vertreter aller Parteien oft behauptet hatten.

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