Deutscher Weg, aber wohin?

Nichts macht Politik spannender als Ereignisse. Das Unvorhergesehene kann strategische Konzepte jäh durchkreuzen und die Gesamtlage urplötzlich verändern. Eine läppische Affäre, über die ein Minister, ein Senator und ein Abgeordneter zu Fall kommen

eine Naturkatastrophe, wie sie der Osten der Republik soeben erlebt

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oder eine kleine internationale Verstimmung, die mit einem Mal ans Eingemachte der Außenpolitik rührt - schon gerät die Szene in Bewegung.

Der ominöse "Besuch" des amerikanischen Botschafters Dan Coates im Berliner Kanzleramt ist ein solches Ereignis. In der Dimension mit der Hunzinger-Krise, die Rot-Grün ins Schleudern brachte, nicht gleichsetzbar, erst recht nicht mit dem mitteleuropäischen Flutdesaster, das die Karten im Bundestagswahlkampf noch einmal neu zu mischen scheint, weist dieser kleine deutschamerikanische Zwischenfall doch eine Analogie dazu auf, die Frage nämlich: Was heißt das für den Wahlkampf? Bewirkt die rüde Demonstration amerikanischer Unzufriedenheit mit der neuen Berliner Aufmüpfigkeit noch etwas Rückenwind für Rot-Grün?

Nicht dass Schröder den Ärger mit Washington gezielt schürt. Eher im Gegenteil: Irgendwie haben er und seine Leute offenbar Angst vor der eigenen Courage. Gemeinsam bemühen sie sich, den "deutschen Weg", ursprünglich als Ablehnung eines Irak-"Abenteuers" verstanden, zur rein innenpolitischen Losung umzudeuteln (analog zum "Modell Deutschland"). "Keineswegs" habe er das auf die internationale Politik (also auf Amerikas Irak-Politik) gemünzt, versichert Schröder (ZEIT Nr. 34/02). Die deutschen Gesprächspartner von Botschafter Coates wiederum wollen bei der Begegnung keine Kritik an Deutschland vernommen haben. Der Amerikaner habe nur Auskunft begehrt darüber, wie das mit dem "deutschen Weg" gemeint sei. Mehr nicht?

Den Eindruck eines kleinlauten Fragestellers wollte der Botschafter aber nicht auf sich sitzen lassen. Hatte er die amerikanische Verärgerung am Wochenende der New York Times nur aus der Deckung (als "Beamter") gesteckt, so ging er nun in die Offensive. Gegenüber der FAZ bezeichnete er Schröders Kritik an Amerikas Irak-Politik als unangemessen. Das habe er im Kanzleramt auch deutlich gemacht, nicht nur höflich "gefragt".

Das ist schon ungewöhnlich, in Stil und Form. Helfen sollte es Schröder nicht. Aber wer weiß?

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