Durch den Rost gefallen
Der Bratwurststand am Brandenburger Tor passt der Hauptstadt nicht mehr ins Konzept. Ein Interview mit dem letzten Wurstbrater vom Pariser Platz
Geht es nach dem Berliner Verwaltungsgericht, verschwindet mit dem Ende der Bauarbeiten am Pariser Platz Ende Oktober auch der einzige Würstchenstand vor dem Brandenburger Tor: Die Sondergenehmigung läuft aus, und ohnehin ist der Stand 44 Quadratzentimeter zu groß für einen regulären Berliner Würstchenstand. Doch Thomas Heeder, der den Stand seit vier Jahren betreibt, will sich nicht fügen
Warum halten Sie Ihre Currywürste für so unverzichtbar?
Berlin will Weltstadt sein? Dazu gehört die Curry genauso wie das Brandenburger Tor. Wir lassen nur echte Profis an die Zange, keine Hausfrauen mit einer zarten Neigung zur Grillparty. Abgesehen davon ist der Stand hier wirklich eine feine Sache, allerbester Nirostastahl. So wie er hier steht, kostet er 10 000 Euro und ist vom Fußboden bis zum integrierten Waschbecken vom Gesundheitsamt abgenommen. Sogar mit Solarenergie können wir den betreiben. Nach Sonnenuntergang wird er fein säuberlich abgeräumt, eingeklappt und hier um die Ecke in einen Extracontainer gebracht.
Trotzdem ist Ihr Stand der Stadtverwaltung offenbar ein Dorn im Auge.
Mein Kompagnon und ich haben unseren jetzigen Stand von A bis Z selbst entworfen und uns bei der Optik elegant an die umliegende Dresdner Bank und das Hotel Adlon angelehnt. Wenn wir vor dem Roten Rathaus stünden, wäre die Fassade backsteinrot. Sie sehen, wir passen uns jeder Umgebung optimal an.
Wie kann ein Wurststand stören, der in seiner Architektur so perfekt ist, dass er von vielen gar nicht mehr wahrgenommen wird?
Sie arbeiten, sagen Sie, an einer mobilen, globalen Esskultur. Was heißt das?
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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