Auch wenn die gute, alte romantische Komödie mit ihm noch einmal eine heitere Renaissance erlebte, wirkte sein betont jungenhafter Schalk in letzter Zeit doch ein wenig angeranzt. Das verlegen nach unten gerichtete Lausbubenlächeln brachte Hugh Grant in Notting Hill zwar noch ein Happy End mit einer Birkenstock-tragenden Julia Roberts ein, hatte dann aber auch die Halbwertszeit überschritten. Grant, der ewige Hallodri, ein Typus, der die Adoleszenz bis in die Spätdreißiger dehnt und garantiert keinen Penny fürs Bruttosozialprodukt erwirtschaftet, passt natürlich wunderbar in den unreifen, von spleenigen Koordinatensystemen durchzogenen Männerkosmos seines Landsmannes Nick Hornby.

Hinter fetischistisch sortierten Plattensammlungen (High Fidelity) oder fanatisch verehrten Fußballclubs (Fever Pitch) verschanzen sich die kindsköpfigen Helden des Bestsellerautors gegen den Sog des Etablierten, bevor sie in einer Art Bruchlandung auf dem Boden der Tatsachen und das heißt meistens in den Armen einer Frau landen. Letztlich handelt es sich bei Hornbys Büchern um ein breit angelegtes, populärpädagogisches Selbsterziehungsprojekt zum erwachsenen Mann. Bei Will, dem Helden der neuen Hornby-Verfilmung About A Boy (Regie: Paul und Chris Weitz), fällt die Kehrtwende zwar besonders drastisch aus, gibt dafür aber Hugh Grant die Chance, auf der Leinwand endlich den so genannten Sinn und Ernst des Lebens anzuerkennen.

Pop und Fußball, zwei Referenzsysteme, die außerhalb der eigenen Person stehen - in Wills Single-Universum geht es hingegen nur um Will und sein Wohlergehen, und daraus entsteht so etwas wie ein überzogener Britpop-Ableger der Generation Golf. Die Wohnung, ein Overkill an Design, die Kleidung, zurückhaltend aber edel - ein Dandy, der von den Tantiemen eines Weihnachtsliedes lebt, das sein längst verstorbener Vater vor Jahrzehnten schrieb, und der felsenfest davon überzeugt ist, dass es sich beim wahren nur um das angesagte Leben handeln kann. Belustigt schaut man zu, wie Grant sein eigentlich armseliges und trostloses Dasein als cool und trendy verklärt. Ein lässiger Snob, dessen Off-Stimme den Tag in Wellness- und Pflegeeinheiten einteilt, und der beim Quizshow-Gucken auf dem schicken Sofa dann doch ziemlich verloren wirkt.

Also bekommt Will einen kleinen, ungebetenen Gast dazugesetzt, gewissermaßen die diametrale Umkehrung seines Daseins: einen Mann im Kinde. Marcus ist ein altkluger Junge mit Pottfrisur, geringeltem Pulli und altmodischen Halbschuhen. Manchmal singt er Gänsehauterzeugende Melodien wie Killing Me Softly. Es ist die achselzuckende Art und Weise, mit der der Kleine (verblüffend stoisch: Nicholas Hoult) sein Anderssein akzeptiert, die Will aus der selbstbezüglichen Reserve lockt und nie da gewesene Verantwortungsgefühle sprießen lässt. Ganz nebenbei zieht der Film auch die hippieske Gegenwelt in Gestalt von Marcus' Mutter (wunderbar nervig von Toni Collette gespielt) durch den Kakao. Hier wird alles geteilt, eben auch die mütterliche Depression.

Während Marcus durch Will das Kind (Musik, Markenklamotten) im Manne kennen lernt, fühlt sich das reiche Papasöhnchen endlich als erwachsene Person angesprochen - was sich moralischer anhört, als es im Film aufgelöst wird.

Inherhalb seiner Klischierung wagt sich About A Boy nämlich durchaus an Geschmacksgrenzen, etwa wenn Will in eine Selbsthilfegruppe SPAT (Single Parents Alone Together) auf Anmache geht und sich eine geschiedene Frau samt zweijährigem Sohn andichtet. Oder wenn der Kleine beim Vögelfüttern im Park mit dem selbst gebackenen Ökobrot seiner Mutter eine Ente erschlägt.

Vielleicht fühlt man sich in diesem Film so heimisch, weil letztlich jeder damit beschäftigt ist, die widerstreitenden Prinzipien, von denen er erzählt, unter einen Hut zu bekommen: Mann und Kind, Ernst und Spiel, Vernunft und Anarchie, auch wenn am Ende alles mit sympathischer Folgenlosigkeit verpufft.