Geliebt wie ein Gucci-Täschchen

Die japanische HipHop-Generation ist fasziniert von i-mode. Der technische Vorläufer für UMTS lässt Bilder und Texte über das Handy flimmern. Schon 33 Millionen Kunden nutzen den Computer in der Hand

Betty Fujimara steigt in einen Bus der Tokyu Bus Corporation und versucht an den übrigen Fahrgästen vorbeizuschauen. Genauso wie an den Leuten draußen auf der Straße und an den Schaufenstern auf dem Weg zum Jiyugaoka-Bahnhof.

Nach Jahren im Ausland lebt sie wieder in Tokyo, und später wird sie sagen: "Japan ist mir fremd geworden."

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So bunt. So hip. So ganz anders als sie selbst mit ihren hochgesteckten schwarzen Haaren, ihrer hellbraunen Lederhandtasche und dem dunkelblauen Blazer. Betty Fujimara sieht dieses andere Japan immer dann, wenn sie Shibuya durchquert. In dem Tokyoter Stadtviertel vergnügen sich jeden Tag Zehntausende junger Leute zwischen Bars und Boutiquen. Zum Beispiel der 22 Jahre alte Toshi. Vor dem Bahnhof lehnt er an einer Säule, die Haare blondiert, im Blick sein Handy, der linke Daumen hastet über die Tasten. Auf seinem T-Shirt prangt nur ein Wort: "Egoïste".

Eigentlich ist damit alles über jenes "andere" Japan gesagt - und vor allem darüber, wer daran verdient: die Mode- und die Telekombranche. Für Deutschland wäre das eher unerheblich, würden die hiesigen Mobilfunkbetreiber nicht so interessiert nach Japan schauen. Dort hat die mobile Zukunft längst begonnen: Seit längerer Zeit ist bereits eine Vorstufe jener Technik auf dem Markt, die in Deutschland unter dem Namen UMTS bekannt ist. Und Millionen Japaner sind begeistert. Insofern stellt sich - spätestens seit die deutsche Telefongesellschaft E-Plus die japanischen Multimediaangebote imitiert (siehe Kasten) - die Frage: Wie viel davon lässt sich auf Deutschland übertragen?

Wie viel Toshi steckt in uns?

Wenn die Hasen hoppeln Ohne Leute wie Toshi wären japanische Handys noch immer Geräte, um sich mit Freunden zu verabreden. Sie wären wichtig, weil die Arbeitswege und -zeiten in Tokyo lang sind, Freizeit selten in den eigenen vier Wänden stattfindet und mobil erreichbar zu sein zum normalen Leben gehört. Gar nicht so viel anders als in Deutschland eben. Die japanischen "Egoïsten" aber haben aus ihrem Mobiltelefon mehr gemacht: ein persönliches Accessoire, ein Statussymbol, ein Mittel der Selbstdefinition. Vergleichbar vielleicht mit einer Gucci-Handtasche.

Dazu gehört, dass der Handybildschirm beim Einschalten Mickymaus oder den Hasen von Albrecht Dürer zeigt. Wenn der auch noch hoppelt - umso besser.

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