Geschichten, die das Leben schrieb

Eigentlich sind Fremdenführer Menschen, die Fremde führen. In Kassel hat der Begriff des Fremdenführers allerdings gerade eine andere Bedeutung gewonnen: Hier ist der Fremdenführer der Fremde, der Documenta-Gäste führt.

Die Leitung der Ausstellung hat jedenfalls alle fremden Führer der Tür verwiesen - die nicht-offiziellen, wie es heißt. Wer sich Kassel mal angeschaut hat, kann sich leicht vorstellen, dass dies eine schlimme Strafe ist. Schwierig hingegen ist es, sich auszumalen, wo das Fremdenführersein anfängt. Ist eine Kunstprofessorin mit Studentenklasse schon eine Fremdenführerin? Fliegt raus, wer seinen Begleitern Sätze leise ins Ohr spricht? Macht sich verdächtig, wer Schirme in die Höhe streckt?

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Rose Marie Gnausch aus New York, die in der ZEIT Nr. 25/02 erzählte, warum sie für wenig Geld den Besuchern Kunst zeigen will, muss sich nicht um solche Fragen sorgen. Sie ist glücklicherweise eine der über hundert offiziellen Guides, die in fünfwöchigen Kursen gelernt haben, wie sie die Ausstellung präsentieren sollen. Die Documenta kennt für ihren neuen Führungsstil keine finanziellen, sondern nur gute Gründe: Die Fremdenführer könnten durch die Gegend schreien und Räume versperren. Kurz: das Gesamtbild stören. Mit dem gleichen Argument könnte man allerdings auch allen Besuchern den Zutritt verwehren, die sich weigern, Heiner-Müller-Brillen zu tragen.

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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    • Schlagworte Kulturbetrieb | Documenta | Kassel | New York
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