Island im Galopp

Durch Fluten und Morast, über Gletscher und Geröll. Für die Pferde nichts Besonderes. Die Reiter aber spüren jeden Muskel

Der Regen fällt, die Karawane zieht weiter. Schwarz glänzen die Sättel vor Nässe, in den Gore-Tex-Schuhen schmatzt das Wasser, alles trieft, träufelt, tropft. Wo Pfade waren, schießen Bäche zu Tal, die rotbraune Erde ist weich wie Brei, manchmal sinken die Pferde bis zu den Knien ein.

Gratulation zur Premiere, sagt Thordur Halldórsson, grinst und wischt sich das Wasser aus dem Gesicht, so ein Wetter hat in den letzten zwölf Jahren keine Gruppe erlebt. Ein wenig Verzweiflung schwingt dabei freilich mit.

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Sicher stellt er sich gerade vor, wie dieser Tag zu Ende geht: zwölf Männer und Frauen in der großen Kohte, fröstelnd im feuchten Schlafsack, während das nasse Treibholz im Kanonenofen qualmt und unterm Zeltdach Socken dampfen und Gamaschen tröpfeln.

Wenn, von Mitteleuropa aus gesehen, Island so ziemlich am Rande liegt, befinden sich aus isländischer Perspektive die Westfjorde ganz schön im Abseits: eine Halbinsel mit mehreren Fingern, ein Vorposten aus Fels weit draußen im Atlantik, baumlos, wenig besiedelt und schwer zugänglich. Genau dort ist die Karawane unterwegs, 20 Pferde aus Island, 12 Reiterinnen und Reiter aus Deutschland, Holland, Kanada und auch aus Island. Mal an der Küste entlang, mal über Bergpässe werden sie die nördliche Halbinsel Strandir umreiten und nach einer Woche quer über den Gletscher Drangajökull zum Ausgangspunkt Laugaland zurückkehren.

Kalter Wind fegt vom Fjord hinauf, bis unter die Helme der Reiter, ganz oben am Berg ist frischer Schnee gefallen. Hoch authentisch ist das alles, hier auf dem Schwarzen Pass, ein Wetter für wahre Wikinger - aber muss es wirklich gleich so übertrieben echt daherkommen? Dazu spürt jetzt, wer lange nicht im Sattel saß, ganz unbekannte Muskeln: Hätte ein Kotelett Empfindungen, so ähnlich fühlte es sich nach dem Klopfen.

Selbst an dem Holzkreuz, das an Eyvindur, den Outlaw, erinnert, will nicht die rechte Andacht aufkommen. Aber vielleicht sind eine kalte Fischfrikadelle und ein Schluck Cognac ja die passende Art, des Gesetzlosen zu gedenken, der im 18. Jahrhundert hier durch die Berge stromerte.

Unten dann, in der Bucht von Furufjördur, wälzt der Fluss Wassermassen heran.

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