Leadership in Gummistiefeln

In der Krise versucht Gerhard Schröder die Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, die er als Reformpolitiker verloren hat

Es ist die Stunde der Exekutive. Gaffer und Wahlkämpfer sind aufgefordert, den Deich zu verlassen, die Rettungskräfte nicht zu behindern.

Instinktsicher hat Gerhard Schröder die Prioritäten der Nation geordnet.

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"Bloß kein parteipolitisches Hickhack." Den Wahlkampfslogan der CDU/CSU - "Zeit für Taten" - hat er nun als sein Motto okkupiert. Die Flut war die Wende. Leadership in Gummistiefeln. Die Fortune, die die Christdemokraten abonniert hatten, scheint nun zu Schröder zurückgekehrt zu sein. Auftritt, Worte, Taten, Tempo - die exekutive Selbstsicherheit hat er nun wieder, die er im Herbst 1999 mit der Intervention in der Holzmann-Krise gewonnen hatte, dem eigentlichen Beginn seiner Kanzlerschaft. Im zerstörten Grimma wiederholte er, was er seinerzeit nach der Wahlniederlage in Hessen gesagt hatte: "Ich habe verstanden." Eben noch stand Schröder schon mit einem halben Bein in der Opposition. Jetzt macht ihn die Not zum Kanzler aller Deutschen, einer einzigen großen Flutgemeinschaft.

Die schlagartige Wende kann nicht mit dem situativen Instinkt des ausgekochten Medienpolitikers Schröder erklärt werden, der nur die Gunst der Stunde nutzt. Dem widerspricht schon die Leistung, das atemberaubende Tempo, mit dem noch während der Flut eine schlüssige Politik entfaltet wurde: die Soforthilfe, die schneller vor Ort ist als die Kritik von CDU/CSU

der Auftritt des Europapolitikers Schröder, der in Berlin das "Europa der Solidarität" zimmert, zusammen mit EU-Kommissaren und den betroffenen Ländern, Tschechien und Slowakei eingeschlossen

das Ja von Brüssel zur "freihändigen Vergabe" der Aufträge zum Wiederaufbau im Flutgebiet, von denen nun das lokale Handwerk profitieren wird

der Kabinettsbeschluss, sieben Milliarden Euro durch Vertagung der Steuerentlastung auf 2004 zu finanzieren - ein Solidaritätszuschlag mit dem Geld, das noch niemand hat. Der Opposition bleibt nur die Rolle der mäkelnden Nachhut.

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