Mehr Power aus der Stulle

Mit neuen Zutaten will die Nahrungsindustrie vom Bio-Trend profitieren

Der US-Konzern McDonald's, so wusste jüngst die französische Nachrichtenagentur afp zu berichten, "warnt seine Kunden in Frankreich vor dem Verzehr zu vieler Hamburger". Den Müttern soll demnächst sogar der Rat erteilt werden, ihren Kindern nur einmal pro Woche eine McDonald's-Mahlzeit zu spendieren.

Ein paar Wochen zuvor hatte die Frankfurter Allgemeine beschrieben, wie der Vorstandschef eines der größten Lebensmittelkonzerne der Welt, Anthony Burgmans von Unilever, seine Gäste zu bewirten pflegt: "Der Chef kocht persönlich." Dafür öffnet er eine Suppentüte von Knorr, brät ein Fischgericht von Iglo aus der Tiefkühltruhe und reicht zum Nachtisch ein Eis von Langnese.

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Die beiden Berichte stehen für veränderte Ernährungsgewohnheiten, von denen einige zu gesundheitlichen Problemen führen können. "Zu viel, zu fett, zu süß", lautet das Urteil der Ökotrophologin Birgit Junghans von der Gesellschaft für Ernährung und Diätetik (D.I.E.T.). "Zu den veränderten Kochgewohnheiten mit einem hohen Anteil an tierischem Fett, Zucker und zu wenig Kohlehydraten kommt der beliebte Fast-Food-Verzehr hinzu." Doch "leider", klagt die Ernährungsspezialistin, "sind Fertiggerichte überwiegend fettreich, stark gesalzen und mit Zusatzstoffen versetzt". Die Folgen solch einseitiger Ernährung sind gravierend. Laut D.I.E.T.

l forderten ernährungsbedingte und ernährungsabhängige Erkrankungen im Jahr 2001 in Deutschland mehr als 144,5 Milliarden Mark vom Gesundheitssystem,

l ist jeder vierte Erstklässler übergewichtig,

l und genauso geht es 70 bis 80 Prozent der 55- bis 64-Jährigen. Sie wiegen zu viel.

Die Ernährungsindustrie will sich diese - von ihr mitverursachten - Fehlentwicklungen jetzt zunutze machen, denn der aktuelle Megatrend heißt Gesundheit. Dieser Begriff, so erkannte Peter Gründken, Präsident der Reformhausorganisation Neuform, unterliegt einem Wertewandel. Während Gesundheit früher die Abwesenheit von Krankheit bedeutete, beinhaltet er inzwischen "active lifestyle", und das heißt Genuss, Attraktivität, Fitness, Leistungsfähigkeit, Jugendlichkeit und Status.

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