Methode Columbo
Wer in der Entwicklungshilfe arbeiten will, hat viele Konkurrenten - und muss lernen, um die Ecke zu denken
Mit dem Müll in Botswana kennt Svea Wragge sich aus. Trocken ist er, mit nur wenigen Essensresten, kaum Aluminium, Plastikflaschen oder Draht - dafür findet sich schon mal die eine oder andere Autobatterie. Der botswanische Müll beschäftigte die 32-Jährige zwei Jahre lang. Zwei Jahre, in denen sie dabei mithalf, in dem südafrikanischen Land ein Abfallwirtschaftssystem aufzubauen. An die quirlige Hauptstadt Gaborone, die Kalahari mit ihren intensiven Farben und die Lebensfreude der Botswaner denkt sie immer wieder zurück.
Raus aus dem Alltag, hinein in eine fremde Welt und dann auch noch beruflich Gutes tun. Ein Job in der Entwicklungszusammenarbeit, wie die Entwicklungshilfe politisch korrekt genannt wird - das klingt verlockend.
Doch der Einstieg ist schwierig, und die Arbeit hat oft nichts mit den verbreiteten Vorstellungen zu tun.
"Der Arbeitsmarkt ist eng, die Konkurrenz groß", sagt Burghard Claus. Für das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik in Bonn haben er und ein Kollege die Chancen für Hochschulabsolventen in der Entwicklungszusammenarbeit untersucht. Rund 10 500 Stellen gibt es demnach für deutsche Akademiker - bei deutschen Einrichtungen wie dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED), der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), den kirchlichen Diensten oder den rund 500 privaten Initiativen, aber auch bei multinationalen Institutionen wie den Unterorganisationen der Vereinten Nationen. Rund 1300 Stellen für Deutsche werden der Studie zufolge jedes Jahr neu angeboten. Der Haken dabei: Die Auslandsjobs sind meist auf ein paar Jahre befristet, deswegen konkurrieren mit den Newcomern immer auch alte Hasen.
Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Eschborn bei Frankfurt ist mit über 2000 deutschen Beschäftigten im In- und Ausland der größte hiesige Arbeitgeber in der Entwicklungszusammenarbeit. Ihr Hauptauftraggeber ist die Bundesregierung, für die sie Projekte abwickelt. Anders als der Name suggeriert, geht es dabei nicht nur um Technik und Ingenieurkunst. Neben Ingenieuren und Agrarfachleuten arbeiten bei der GTZ auch Ärzte, Volks- und Betriebswirte, Soziologen, Ethnologen und Bildungsplaner.
Auf 350 im Ausland zu besetzende Stellen bewarben sich vergangenes Jahr über 5000 Interessenten. Doch viele Aspiranten unterschätzen die Anforderungen.
- Datum 10.10.2007 - 18:04 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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