Mini-Marken
Wo gibt es noch so richtig viel Ärger zum Preis von einem Cent? Bei der Post - genauer gesagt: am Briefmarkenautomaten. Neulich wollte ich spätabends noch eine Ansichtskarte einwerfen, Hamburger Hafen bei Nacht, schön kitschig, schwarze Schiffe unter weißem Vollmond. Gottlob war der Automat neben dem Postkasten nicht kaputt, leer oder sonst irgendwie out of order. Kommt ja oft genug vor.
51 Cent kostet das Porto, ich habe nur 60. Also rein mit den Münzen. Heraus kommt die gewünschte Marke und - kein Wechselgeld. Stattdessen neun weitere Marken mit dem putzigen Aufdruck "e
0,01 - Deutschland". Niedlich, die Kleinen. Gerade mal einen Cent groß und schon echte Briefmarken! Na ja, vielleicht wachsen sie ja noch, und es reicht irgendwann für eine Karte, einen Brief oder sogar ein Päckchen. Oder die Post senkt das Porto. Also lege ich sie daheim in eine Schachtel - dorthin, wo schon Dutzende weiterer Ein-Cent-Marken liegen - alles Andenken an frühere Postkarten-Einwürfe. Ein kleines Vermögen.
Früher, als es noch die alten Automaten gab, existierte das Problem nicht. In DM-Zeiten hatte das Briefporto glattere Beträge, und vor allem gab es einen Knopf am Automaten, mit dem man sich Marken mit beliebigem Wert ausdrucken konnte: einfach den passenden Betrag reinstecken, Knopf drücken, ratsch, Marke fertig, anlecken, draufpappen, glücklich sein. Aber einen solchen Knopf für maßgeschneiderte Briefmarken haben die neuen Automaten nicht mehr, ich kann mir also zu einer Ein-Cent-Marke keine 50-Cent-Marke dazudrucken.
So richtig etwas anfangen kann man mit dem Kleinkram auch nicht. Sammeln ist bei dem eintönigen Markenmotiv ziemlich langweilig. Und Postkarten damit frankieren? Eine Automatenmarke hat fast elf Quadratzentimeter, eine Ansichtskarte rund 160. Wenn man etwas quetscht, passen insgesamt 31 Marken auf beide Seiten der Karte. Das reicht nicht fürs Porto. Und die Ansicht wäre auch hinüber.
- Datum 22.08.2002 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 35/2002
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