Nicht nur Geld

Helmut Schmidt: Die Hochwasseropfer brauchen Seelsorge - und weniger Vorschriften für ein neues Aufbau-Ost-Programm

die zeit: Was sind die wichtigsten Aufgaben für die kommenden Tage?

Helmut Schmidt: Die Menschen brauchen Unterkunft, Verpflegung, ein bisschen Taschengeld in die Hand, und sie brauchen Seelsorge. Nicht nur durch Pfarrer, sondern auch durch Politiker. Zudem muss man aufpassen, dass die Leute nicht durch verseuchtes Trinkwasser mit Infektionen in Berührung kommen. Dieser Punkt ist sehr ernst zu nehmen. Oberflächenwasser ist in vielen Fällen verseucht und dringt häufig in die Trinkwasserversorgung ein.

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zeit: Sollten für Schutz-, aber auch für Aufräumarbeiten Arbeitslose mit herangezogen werden?

Schmidt: Ich würde das begrüßen, wenn es sich um Aufräumarbeiten handelt.

Aber im Wesentlichen muss man dazu Soldaten einsetzen, die die entsprechende Ausrüstung haben. Die Frage, ob Arbeitslose auch Arbeiten annehmen müssen, die normalerweise nicht auf ihrer Wunschliste stehen, ist eine wichtige und richtige Frage. Wenn Sie meinen, die Katastrophe gebe vielleicht einen quasi Notstandsanlass, sich zu diesem Zweck über bisherige Gesetze hinwegzusetzen, würde ich begrüßen, wenn der Versuch gelingen sollte. Aber ich halte das nicht für sehr wahrscheinlich.

zeit: Was sollte der Bundeskanzler tun?

Schmidt: Der Bundeskanzler hat, wenn ich es richtig sehe, seinen Wahlkampf praktisch abgebrochen. Es handelt sich um eine nationale Katastrophe, wenngleich die ganz große Mehrheit der Deutschen das Unglück nur am Fernseher miterlebt. Es war Sache des Kanzlers, der öffentlichen Meinung in Deutschland die Notwendigkeit zu vermitteln, dass hier Solidarität gebraucht wird.

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